MODELLRAKETEN-PROJEKT · KLASSE 6 · NRW GYMNASIUM

Mathematik & Modellraketen

Ergänzendes Lernprojekt für einen mathematisch besonders leistungsstarken Schüler

Anlass und Zielsetzung

Der Schüler besucht die 6. Klasse eines Gymnasiums in NRW (G9) und hat den regulären Mathematikunterricht des laufenden Vierteljahrs inhaltlich bereits vollständig durchdrungen. Um ihn weder zu unterfordern noch aus dem Klassenverband herauszunehmen, erhält er ein individuelles Ersatzprojekt das denselben Lehrplan-Stoff in einem authentischen, anspruchsvollen Anwendungskontext einbettet.

Das Projekt verbindet den aktuellen Mathematik-Lehrplan der Klasse 6 mit Elementen aus Physik, Technik und Geschichte — alles verankert am gemeinsamen Thema Modellraketen und Raumfahrt. Der rote Faden durch das gesamte Projekt ist die aktuelle Artemis-Mission der NASA, die als realer Kontext für alle mathematischen Inhalte dient.

Das Projekt läuft über ca. ein Vierteljahr (9 Unterrichtswochen, je 4×45 min in der Schule). Die praktischen Messflüge mit selbst gebautem Flugdatenschreiber werden parallel zuhause vom Schüler und Kai durchgeführt und fließen als Datenmaterial in den Schulunterricht ein.

Bezug zum NRW-Kernlehrplan Mathematik Klasse 6 (G9)

Grundlage: Kernlehrplan Mathematik NRW Gymnasium G9, gültig ab Schuljahr 2022/23 (MSB NRW, Juni 2022)

Das Projekt deckt folgende verbindliche Inhaltsfelder und Kompetenzerwartungen des Kernlehrplans ab:

① Flächeninhalte und Geometrie

Lehrplan-Bezug: Inhaltsfeld "Flächen und Körper" — Berechnung von Flächeninhalten ebener Figuren (Parallelogramm, Dreieck, Trapez, Kreis)

Im Projekt: Der Schüler berechnet die Stirnfläche seiner Raketen (A = π × r²) auf zwei Wegen — durch Zählen von Quadraten auf Millimeterpapier und durch die Kreisformel. Der Vergleich beider Methoden schärft das Verständnis von Näherungswerten und exakter Berechnung. Zusätzlich zeichnet er die Saturn V Rakete maßstabsgetreu auf Millimeterpapier und berechnet dabei Querschnittsflächen verschiedener Stufen.

Kompetenzerwartung (KLP): "Die SuS bestimmen Näherungswerte für Flächeninhalte in Sachsituationen, indem sie eine Modellierung mithilfe geeigneter Figuren durchführen; ihr gewähltes Modell reflektieren sie kritisch."

② Maßstäbe und Verhältnisse

Lehrplan-Bezug: Inhaltsfeld "Rationale Zahlen und Proportionalität" — Verhältnisse, Maßstäbe, proportionale Zuordnungen

Im Projekt: Der Schüler arbeitet mit Maßstäben auf zwei Ebenen. Erstens skaliert er die Saturn V (111m) und das Starship-System auf Zeichengröße herunter (Maßstab 1:500 → 22cm auf Papier) und begründet die Wahl des Maßstabs. Zweitens rechnet er seine eigene Modellrakete (40cm) auf Saturn V-Größe hoch und vergleicht die Proportionen. Verhältnisse tauchen außerdem beim Motorvergleich auf: "Motor C liefert doppelten Gesamtimpuls wie Motor B — wie verhält sich das zur Flughöhe?"

Kompetenzerwartung (KLP): "Die SuS rechnen mit Maßstäben und wenden Verhältnisse in geometrischen und sachbezogenen Kontexten an."

③ Diagramme lesen, zeichnen und interpretieren

Lehrplan-Bezug: Inhaltsfeld "Daten und Zufall" sowie prozessbezogene Kompetenz "Darstellen" — Lesen und Erstellen von Diagrammen, Tabellen und Graphen

Im Projekt: Der Schüler liest die Schubkurven der KLAMA-Motoren aus einem Diagramm ab, zeichnet selbst ein Höhe-Zeit-Diagramm aus seinen Messdaten und trägt darin sowohl die theoretische als auch die gemessene Flughöhe ein. Der visuelle Vergleich beider Kurven motiviert die Frage nach dem Luftwiderstand. Das Ausfüllen von Tabellen (diskrete Flugsimulation) trainiert systematisches Vorgehen und Tabellenlesekompetenz.

Kompetenzerwartung (KLP): "Die SuS lesen Informationen aus Tabellen und Diagrammen ab, stellen Daten in geeigneten Diagrammen dar und interpretieren diese im sachlichen Kontext."

④ Grundrechenarten, Einheiten und Größen

Lehrplan-Bezug: Inhaltsfeld "Arithmetik/Algebra" — Grundrechenarten in Sachkontexten, Einheitenrechnung, Größen schätzen und messen

Im Projekt: Alle Berechnungen im Projekt — Flughöhe, Beschleunigung, Impulse, Verhältnisse — verwenden ausschließlich Grundrechenarten. Einheitenumrechnungen (m ↔ cm ↔ mm, g ↔ kg, N·s ↔ m/s) sind durchgehend präsent. Das Wiegen der Raketen und das Messen mit der Schieblehre trainiert den sinnvollen Umgang mit Messwerten und Genauigkeit.

Kompetenzerwartung (KLP): "Die SuS führen Grundrechenoperationen mit rationalen Zahlen durch und nutzen diese in Sachsituationen sinnvoll; sie rechnen mit Größen und Einheiten in realitätsnahen Kontexten."

⑤ Modellieren und Problemlösen (prozessbezogene Kompetenzen)

Lehrplan-Bezug: Prozessbezogene Kompetenzen "Modellieren", "Problemlösen", "Argumentieren" und "Kommunizieren"

Im Projekt: Das gesamte Projekt ist ein durchgehender Modellierungskreislauf: reale Situation (Raketenflug) → mathematisches Modell (Flugsimulation) → Ergebnis (theoretische Höhe) → Vergleich mit Realität (Messdaten) → Reflexion des Modells (Warum weichen die Werte ab?). Der Schüler argumentiert über Messungenauigkeiten, Luftwiderstand und Motorverhalten — und kommuniziert seine Ergebnisse in der Abschlusspräsentation.

Kompetenzerwartung (KLP): "Die SuS übersetzen reale Situationen in mathematische Modelle, lösen diese und reflektieren das Ergebnis im Sachkontext kritisch."

Gesamtlernziele des Projekts

Am Ende des Projekts hat der Schüler folgende Kompetenzen erworben bzw. vertieft:

Mathematische Kernkompetenzen

  • Maßstäbe berechnen und bidirektional anwenden (Verkleinern und Vergrößern)
  • Verhältnisse aufstellen und interpretieren
  • Kreisfläche berechnen (A = π × r²) und mit Näherungswerten vergleichen
  • Flächen unter Kurven durch Rechtecke und Trapeze annähern
  • Tabellen systematisch ausfüllen und auswerten
  • Höhe-Zeit-Diagramme zeichnen und interpretieren
  • Differenzen und Verhältnisse im Sachkontext interpretieren

Wissenschaftliche Arbeitsmethoden

  • Wissenschaftliche Hypothesen formulieren ("Die Rakete sollte X Meter fliegen, weil...")
  • Messungen planen und durchführen (Kalibrierung, Referenzwerte)
  • Theorie mit Messung vergleichen und Abweichungen erklären
  • Messfehler und Modellgrenzen benennen
  • Ergebnisse strukturiert präsentieren

Vorausschauende Lernziele

(Nicht explizit gelehrt, aber erlebt und vorbereitet)

  • Intuition für Integralrechnung (Fläche = Summe, Klasse 10/11)
  • Lineare Funktionen (Geschwindigkeit in der Gleitphase, Klasse 7/8)
  • Physik: Kraft, Impuls, Energie (Klasse 9+)
  • Strömungslehre und Widerstandsbeiwerte (Klasse 11+)
  • Grundlagen des wissenschaftlichen Arbeitens

Überfachliche Kompetenzen

  • Selbstständiges Arbeiten mit strukturierten Unterlagen
  • Partizipation an einem echten technischen Projekt
  • Verständnis für Fehlerkultur ("Messungen sind nie perfekt")
  • Vernetztes Denken über Fächergrenzen hinaus
  • Grundkenntnisse in Mikrocontroller-Programmierung (MicroPython)

Hinweise für die Lehrerin

Zur Nutzung dieses Dokuments

  • Die aufklappbaren Abschnitte (▶) enthalten Hintergrundinformationen, Teacher Notes und didaktische Erläuterungen — für die Lehrerin gedacht, nicht für den Schüler
  • Die Arbeitsblätter (AB 1–6) sind selbsterklärend gestaltet: Der Schüler kann sie in den Freistunden eigenständig durcharbeiten, ohne ständige Betreuung
  • Jede Woche hat einen Kern (Pflichtinhalt) und optionale Extensions für den Fall dass der Schüler schneller ist als geplant
  • Die Messdaten kommen von zuhause (gesammelt von Kai) — in der Schule wertet der Schüler nur aus. Bei technischen Problemen gibt es einen vollständigen Fallback-Plan mit synthetischen Daten
  • Der genaue Startzeitpunkt und Umfang sollte gemeinsam mit der Lehrerin abgestimmt werden — dieses Dokument ist die Gesprächsgrundlage dafür

Pädagogischer Ansatz

Das Projekt folgt dem Prinzip "Konkret vor abstrakt": Jede mathematische Formel oder Abstraktion wird erst als konkretes, sichtbares Phänomen erlebt (Hand-Experiment, Zeichnung auf Millimeterpapier, Schubkurve ablesen), bevor sie formal eingeführt wird. Das entspricht dem konstruktivistischen Lernprinzip, das auch dem NRW-Kernlehrplan zugrunde liegt: "Mathematik soll nicht als fertiges System, sondern als lebendiger Prozess des Entdeckens und Begründens erfahren werden."

Der Schüler partizipiert am Bau und Betrieb des Flugdatenschreibers — er führt nicht alles allein durch. Das ist didaktisch bewusst so gewählt: Echte technische Projekte sind Teamarbeit, und das Beobachten, Mitdenken und selektive Mitmachen ist wertvoller als eine vereinfachte Simulation allein.

Schnellübersicht — 9-Wochen-Plan

WocheThemaLehrplan-BezugZuhause (parallel)
1–2 Geschichte der Raumfahrt, Saturn V, Maßstäbe, Verhältnisse, Rakete zeichnen Maßstäbe, Verhältnisse, Flächeninhalte (Kreis) Rakete vermessen (Hausaufgabe AB 2)
3–4 Warum fliegt eine Rakete? Actio/Reactio, Kraft & Masse, Barometer-Theorie Grundrechenarten, Einheiten (N, kg, m/s²) Pico + BMP280 zusammenbauen, ersten Code schreiben
5–6 Schubkurven lesen, Fläche unter Kurve, diskrete Flugsimulation, Tabellen Flächen (Rechteck, Trapez), Diagramme, Tabellen Testflüge, Datenschreiber testen
7–8 Messdaten auswerten, Theorie vs. Praxis, Luftwiderstand, Rakete 1 vs. 2 Diagramme, Verhältnisse, Differenzen, Modellierung Echte Flüge, Daten für Schule aufbereiten
9 Präsentation: Modelle, Diagramme, Erkenntnisse, offene Fragen Kommunizieren, Argumentieren (prozessbezogen) —

📐 Faustformeln für Modellraketen

Diese Grundregeln gelten für alle Raketen — von der Saturn V bis zur 40cm Modellrakete. Sie sind der erste Schritt um zu verstehen ob eine Rakete überhaupt fliegen kann und wie hoch sie theoretisch kommt.

① Schub-zu-Gewicht-Verhältnis (Thrust-to-Weight Ratio)

Das wichtigste Kriterium: Hat der Motor genug Kraft um die Rakete überhaupt von der Startrampe zu heben?

TWR = Schubkraft [N] ÷ Gewichtskraft [N]
    = F_motor ÷ (m × g)
TWRBedeutungPraxis
< 3Zu schwach — Rakete hebt kaum abGefährlich, instabiler Start
3–5Minimum — langsamer, träger StartAkzeptabel aber nicht empfohlen
5–10Gut — zügiger, stabiler StartEmpfohlen für Modellraketen
> 10Sehr gut — schnelle BeschleunigungOptimal für hohe Flughöhen
Beispiel Rakete mit Motor B4:
Masse: 80g = 0.08 kg → Gewichtskraft = 0.08 × 9.81 = 0.785 N
Max. Schub B4: 15 N
TWR = 15 ÷ 0.785 = 19.1 ✓ Sehr gut!
💡 Saturn V beim Start: TWR ≈ 1.17 — gerade mal genug! Große Raketen können sich keinen hohen TWR leisten wegen der enormen Masse.

② Impuls-zu-Masse-Verhältnis (Specific Impulse vereinfacht)

Wie viel Gesamtimpuls steckt im Motor verglichen mit der Rakettenmasse? Das bestimmt die erreichbare Maximalgeschwindigkeit (ohne Luftwiderstand und Gravitation):

v_max ≈ I_gesamt [N·s] ÷ m [kg]
Beispiel Motor B4, Masse 80g:
I_gesamt = 2.5 N·s, m = 0.08 kg
v_max ≈ 2.5 ÷ 0.08 = 31.25 m/s ≈ 112 km/h (ohne Verluste)
Mit Gravitation und Drag realistisch: ~20–25 m/s
MotorImpuls (N·s)v_max bei 80g (m/s)v_max bei 120g (m/s)
A61.2515.610.4
B42.531.320.8
C65.062.541.7
D910.0125.083.3

③ Theoretische Maximalhöhe (vereinfacht)

Grobe Faustformel für die Maximalhöhe ohne Luftwiderstand:

h_max ≈ v_max² ÷ (2 × g)
       ≈ (I_gesamt ÷ m)² ÷ (2 × 9.81)
Beispiel Motor B4, Masse 80g:
v_max ≈ 31.25 m/s
h_max ≈ 31.25² ÷ (2 × 9.81) = 976.6 ÷ 19.62 = ~50m (ohne Drag)
Mit Drag (Cd ≈ 0.3): realistisch ~35–42m
💡 Diese Formel ist eine Obergrenze — Luftwiderstand und Gravitationsverluste während der Brennphase reduzieren die echte Höhe. Je größer Cd und je kleiner TWR, desto mehr weicht die Realität ab.

④ Stabilitätsregel (Kaliber-Regel)

Eine Rakete ist stabil wenn sie geradeaus fliegt und nicht taumelt. Die einfache Regel:

Stabilitätsabstand = Abstand(Druckpunkt − Schwerpunkt) ≥ 1 Kaliber
Kaliber = Maximaler Raketen-Durchmesser
StabilitätsabstandBedeutung
< 1 KaliberInstabil — Rakete taumelt und kippt
1–2 KaliberStabil — empfohlener Bereich
> 3 KaliberÜberstabil — Rakete folgt Wind zu stark
💡 Für unser Projekt vereinfacht: Flossen weit hinten + Nase vorne = stabil. Genauere Berechnung nach Barrowman-Methode (für später).

⑤ Schnellübersicht: Optimale Motorwahl

BedingungRegel
Mindest-TWR für sicheren StartTWR ≥ 5
Optimaler TWRTWR = 10–15
Motor zu groß?Wenn TWR > 20 → Rakete wird zu schnell, instabiler
Motor zu klein?Wenn TWR < 3 → Rakete hebt kaum ab, sehr niedrige Bahn
Höhe verdoppelnImpuls × 4 (nicht × 2!) wegen quadratischer Abhängigkeit
Masse halbierenHöhe × ~4 (bei gleichem Motor)
Aufgabe: Welcher Motor passt für die Modellrakete mit 80g und mindestens TWR = 5?
Mindest-Schub = 5 × 0.08 × 9.81 = 3.92 N
→ Motor A6 (max. 8N) ✓ · Motor B4 (max. 15N) ✓ · Motor C6 (max. 22N) ✓

⑥ Schwerpunkt & Druckpunkt — Optimale Balance

Eine Rakete fliegt nur dann geradeaus wenn zwei kritische Punkte in der richtigen Reihenfolge liegen:

NASE →→→→→→→→→→→→→→→→→→→→→→→→→→→→→→→→→→→→→→→→ HECK
|███████████ [ SP ] —— 1+ Kaliber —— [ DP ] ████|
                Schwerpunkt                        Druckpunkt   (Flossen!)
PunktWas ist das?Wie finden?
SP — Schwerpunkt Wo die gesamte Masse der Rakete konzentriert ist Rakete auf einem Finger balancieren — wo sie waagerecht liegt
DP — Druckpunkt Wo die Luftkraft (Widerstand) angreift — bestimmt durch Flossen und Nasenform Silhouette der Rakete ausschneiden, wo sie waagerecht balanciert

Warum muss SP vor DP liegen?

Wenn Wind die Rakete seitlich trifft, entsteht am DP eine Kraft. Liegt DP hinter SP, dreht diese Kraft die Nase wieder in den Wind — wie ein Pfeil mit Federn hinten. Liegt SP hinter DP, kippt die Rakete um.

✓ STABIL: SP vor DP
Windkraft dreht Nase zurück
→ Rakete fliegt geradeaus
✗ INSTABIL: SP hinter DP
Windkraft dreht Nase weg
→ Rakete kippt, überschlägt sich

🔄 Der Swing-Test — einfachste Stabilitätsprüfung

Faden am Schwerpunkt befestigen, Rakete im Kreis schwingen:

  • Nase zeigt immer nach vorne → stabil ✓
  • Rakete dreht quer oder Heck voran → instabil ✗

Wie korrigiert man?

ProblemUrsacheLösung
SP zu weit hintenHeck zu schwerGewicht in die Nasenspitze (Knete, Münzen)
DP zu weit vorneFlossen zu klein oder zu weit vorneFlossen vergrößern oder nach hinten
Überstabil (>3 Kaliber)Flossen zu großFlossen verkleinern — sonst folgt Rakete dem Wind
💡 Verbindung zur Hauptchallenge: Der Glaskopf der Rakete 2 verschiebt den SP nach vorne — mehr Stabilität, aber auch mehr Gewicht und mehr Drag. Der Schüler kann SP selbst messen (Balancepunkt) und mit Rakete 1 vergleichen!

🏆 Motivation & Challenges

Dieses Projekt ist kein Lernprogramm — es ist eine echte Optimierungsaufgabe. Der Schüler hat Raketen, echte Motoren und echte Messdaten. Die Frage ist: Wie hoch kann die Rakete fliegen? Und: Was kann er tun um sie höher zu bringen?

🔭 Einstieg: Research Task — Artemis & Saturn V

Bevor der Schüler seine eigene Rakete analysiert, recherchiert er die echten großen Raketen. Das gibt ihm den Kontext um später zu verstehen: "Die gleichen physikalischen Prinzipien gelten für Saturn V und meine 40cm Rakete — nur in anderen Größenordnungen."

Rechercheaufgabe (Woche 1):

Der Schüler sucht für Saturn V und Artemis SLS folgende Werte und trägt sie in eine Tabelle ein:

EigenschaftSaturn VArtemis SLSdie Modellrakete
Startmasse2.970.000 kg~2.600.000 kg_____ g
Leermasse~130.000 kg~85.000 kg_____ g (Motor leer)
Gesamtschub (Start)34.020.000 N~39.000.000 N_____ N (Motor B4)
Maximale Flughöhe~380.000 km (Mond)~380.000 km (Mond)_____ m
Anzahl Motoren5 × F-1 (Stufe 1)4 RS-25 + 2 Booster1
NasenformKegelförmig (Orion)Kegelförmig (Orion)_____

Fokus-Themen zum Recherchieren:

⚖️ Masse & Masseoptimierung
Warum ist Saturn V zu 90% Treibstoff? Was passiert wenn eine Stufe abgetrennt wird? Wie verändert sich die Beschleunigung wenn die Masse abnimmt?

💨 Luftwiderstand (Drag)
Wie wichtig ist die Nasenform bei echten Raketen? Warum haben alle großen Raketen spitze oder konische Nasen? Was würde passieren wenn Saturn V eine flache Nase hätte?

⚡ Energie & Impuls
Was ist der Unterschied zwischen Schubkraft (N) und Gesamtimpuls (N·s)? Warum braucht man viel Impuls um in den Weltraum zu kommen?

🌍 Fluchtgeschwindigkeit
Was ist die Fluchtgeschwindigkeit der Erde (~11.2 km/s)? Wie schnell fliegt die Modellrakete? Wie viel mal langsamer ist das?

Vergleichsaufgabe (Brücke zum Projekt):

Verhältnis-Aufgaben für den Schüler:
1. Saturn V Startmasse: 2.970.000 kg = 2.970.000.000 g. die Modellrakete: 80g. Verhältnis = _____ : 1
2. Saturn V Schub: 34.020.000 N. der Motor B4: ~15 N. Verhältnis = _____ : 1
3. Saturn V Flughöhe: 380.000 km. die Modellrakete: ~40m. Verhältnis = _____ : 1
4. Fluchtgeschwindigkeit: 11.200 m/s. die Modellrakete: ~30 m/s. Verhältnis = _____ : 1

Was fällt dir auf? Warum ist das Schub-Verhältnis viel kleiner als das Höhen-Verhältnis?
Lehrerhinweis: Die letzte Frage ist eine Denkaufgabe ohne eindeutige Antwort — der Schüler soll darüber nachdenken warum die Verhältnisse so unterschiedlich sind. Hinweis: Atmosphäre, Schwerkraft über lange Distanzen, Stufensystem. Es geht nicht darum eine richtige Antwort zu finden, sondern Neugier zu wecken.

🔭 Einstiegsaufgabe: Artemis & Saturn V Recherche

Bevor der Schüler seine eigenen Raketen analysiert, recherchiert er die echten Raketen der NASA. Das gibt ihm den Kontext um später zu verstehen: "Die gleichen physikalischen Prinzipien die Saturn V zum Mond brachten, gelten auch für meine 40cm Rakete."

Recherche-Aufgaben:

ThemaFrageWo suchen?Bezug zu die Modellrakete
Masse Wie schwer ist Saturn V beim Start? Wie schwer ist die Nutzlast die zum Mond flog? NASA.gov, Wikipedia Saturn V: 2.970.000 kg vs. die Modellrakete: ___g → Verhältnis?
Schubkraft Wie viel Newton Schub liefern die 5 F-1 Motoren zusammen? NASA technical reports Saturn V Schub: ~34 Millionen N vs. Der Schüler Motor B4: 15N → Verhältnis?
Luftwiderstand / Drag Welche Nasenform hat Saturn V? Warum? Was ist der Unterschied zu einer stumpfen Nase? Bilder von Saturn V, rocketdynamics.com die Modellrakete 1 (spitz) vs. Rakete 2 (bulbös) — welche ist mehr wie Saturn V?
Impuls & Energie Was ist Impuls? Warum braucht eine größere Rakete mehr Impuls? Schulbuch, einfache Erklärung suchen Impuls = Masse × Geschwindigkeit. der Motor: 5 N·s → welche Geschwindigkeit?
Fluchtgeschwindigkeit Was ist die Fluchtgeschwindigkeit der Erde? Wie schnell muss eine Rakete sein um nicht zurückzufallen? Wikipedia: Fluchtgeschwindigkeit Erde: 11.2 km/s. die Modellrakete erreicht max. ~___m/s → wie weit weg?
Stufensystem Warum hat Saturn V 3 Stufen? Was passiert wenn eine Stufe leer ist? NASA Artemis-Mission Seite die Modellrakete ist einstufig — Nachteil?

Vergleichstabelle ausfüllen (Woche 1):

EigenschaftSaturn VArtemis SLSdie Modellrakete 1Verhältnis Saturn V : der Schüler
Gesamthöhe111 m98 m  cm  : 1
Startmasse2.970.000 kg2.610.000 kg  g  : 1
Max. Schubkraft34.020.000 N39.140.000 N  N  : 1
Maximale HöheMond: 384.000 kmMond: 384.000 km  m  : 1
NasenformSpitz (Ogive)Spitz (Ogive) —
Anzahl Stufen321—

✓ Diskussionsfragen nach der Recherche:

  • Welche Rakete ist aerodynamischer — Saturn V oder die Modellrakete 2 (bulbös)? Warum?
  • Warum ist die Fluchtgeschwindigkeit für die Modellrakete irrelevant?
  • Wenn Saturn V 37 Millionen mal so schwer ist wie die Modellrakete — warum gelten trotzdem dieselben Formeln?
  • Was würde passieren wenn Saturn V nur eine Stufe hätte?

🎯 Challenge 1: Den Höhenrekord aufstellen

Der Schüler startet mit einem theoretisch berechneten Höhenziel für jede Rakete/Motor-Kombination. Das ist seine Baseline. Ziel: Die gemessene Höhe soll so nah wie möglich an die theoretische Höhe herankommen — und dann versuchen sie zu übertreffen.

Schritt 1: h_theo berechnen (Wochen 5–6)
Rakete 1 + Motor B4 = _____ m (theoretisch)
Schritt 2: Messen und vergleichen (Woche 7)
h_gemessen = _____ m → Differenz: _____ m

Der Unterschied zwischen Theorie und Messung ist kein Fehler — er ist das Forschungsziel. Was erklärt die Differenz? Kann sie verkleinert werden?

⚖️ Challenge 2: Gewicht-Optimierung

Je leichter die Rakete, desto höher fliegt sie — bei gleichem Motor. Das ist direkte Physik: a = F/m. Weniger Masse → mehr Beschleunigung → mehr Höhe.

Was der Schüler erforscht:

  • Rakete wiegen: Wo ist das Gewicht? (Körper, Nase, Flossen, Klebeverbindungen, Nutzlast)
  • Welche Teile könnten leichter sein ohne die Stabilität zu gefährden?
  • Theorie: "Wenn ich 10g spare, wie viel Meter mehr bekomme ich?"
Rechenbeispiel:
Rakete aktuell: 85g → h_theo = 42m
Rakete optimiert: 75g → h_theo = ___m (Der Schüler berechnet das selbst!)
Effekt von 10g Gewichtsersparnis = ___m mehr Höhe
⚠️ Limit: Die Rakete muss stabil bleiben. Zu leichte Flossen oder Nase = instabiler Flug = gefährlich!

🔺 Challenge 3: Cd-Optimierung (Aerodynamik / Nasenform)

Je geringer der Luftwiderstand, desto höher die Rakete — bei gleicher Masse. Der Cd-Wert hängt hauptsächlich von der Form der Nase ab.

Verschiedene Nasenformen und ihr Cd:

NasenformCd (typisch)VorteilNachteil
🔘 Halbkugel (bulbös)~0.45–0.5Einfach zu bauenHoher Widerstand
🔷 Kegelförmig (konisch)~0.35–0.4Guter KompromissMittlerer Widerstand
▲ Ogive (parabolisch)~0.25–0.3Aerodynamisch gutSchwieriger zu bauen
📍 Sehr spitz (schlank)~0.2–0.25Bester WiderstandStrukturell fragiler
Rechenbeispiel:
Rakete mit Cd = 0.45 (bulbös) → h_gemessen = 38m
Gleiche Rakete mit Cd = 0.25 (spitz) → h_theo = ___m (Der Schüler berechnet!)
Effekt besserer Aerodynamik = ___m mehr Höhe

⚡ Challenge 4: Der Trade-off — Gewicht vs. Aerodynamik

Das ist die interessanteste Frage: Was bringt mehr — 10g Gewicht sparen, oder den Cd von 0.45 auf 0.30 senken?

Die Antwort ist nicht offensichtlich und hängt von den konkreten Zahlen ab. Der Schüler kann das mit seiner Berechnungstabelle direkt nachrechnen:

Option A: Gewicht sparen
Masse: 85g → 75g (−10g)
Cd bleibt: 0.45
h_theo = ___m
Option B: Aerodynamik verbessern
Masse bleibt: 85g
Cd: 0.45 → 0.30
h_theo = ___m

Welche Option gewinnt? Das ist die Forschungsfrage — und die Antwort steht in seinen Daten!

Lehrerhinweis: Diese Challenge verknüpft zwei Variablen (m und Cd) und zeigt dass Optimierung nie eindimensional ist. Das ist echtes Ingenieurdenken — und ein perfekter Abschluss für die Präsentation in Woche 9.

🗺️ Forschungsfahrplan

ChallengeWann?Was braucht der Schüler?Erwartetes Ergebnis
1: Höhenrekord BaselineWoche 5–7h_theo berechnen, MessdatenDifferenz Theorie/Praxis
2: Gewicht-OptimierungWoche 6–7Waage, Berechnungstabelle"10g spart X Meter"
3: Cd-OptimierungWoche 7–8Stirnfläche, Messdaten, Cd-Rückrechnung"Spitze Nase = Y Meter mehr"
4: Trade-offWoche 8Alles oben kombiniert"Was ist meine optimale Rakete?"

MODELLRAKETEN-PROJEKT · KLASSE 6

Mathematik & Angewandte Physik

Schüler: 6. Klasse Gymnasium · Zeitrahmen: 1 Vierteljahr (9 Wochen, 4×45 min/Woche) · Betreuung: Kai + Fachlehrerin

Leitidee

Dieses Projekt folgt der wissenschaftlichen Methode als Lernstruktur — nicht Formeln zuerst, sondern Fragen zuerst:

Frage → Berechnung → Messung → Vergleich → neue Frage → Hypothese testen

Alle Schritte sind bewusst im Bereich der Klasse-6-Mathematik gehalten — Flächen, Volumen, Maßstäbe, Verhältnisse, Grundrechenarten, Diagramme.

Schule (Theorie)

  • Geschichte & Kontext (Artemis, Saturn V)
  • Maßstäbe & Verhältnisse
  • Physik-Grundlagen (Actio/Reactio)
  • Schukkurven, Berechnungen
  • Messdaten auswerten
  • Präsentation

Zuhause (Praxis)

  • Pico + BMP280 zusammenbauen
  • MicroPython Code schreiben
  • Testflüge durchführen
  • Daten sammeln & weitergeben
  • 3D-Halterung drucken (optional)

Material & Setup

die Modellraketen

#FormLängeBesonderheitCd (erwartet)
1Schlank, spitze Nase~40cmAerodynamisch, niedriger Widerstand~0.25
2Bulbös, runder Kopf~40cmKamerakopf, hoher Widerstand~0.45
3Groß, 4-motorigviel größerOptional — noch im Bau—

Motoren

TypGesamtimpuls (N·s)Max. Schub (N)Brennzeit (s)
A82.58.00.5
B65.012.10.9
C610.014.11.9
D1220.029.71.7

Datenquelle: thrustcurve.org · raketenmodellbau-klima.de

SCHUBDIAGRAMME — KLAMA RAKETENMOTOREN 🔗 Motor-Spezifikationen auf klima.de →
Schubdiagramme KLAMA Motoren A6, B4, C2, C6, D3, D9
Schubdiagramm: © Raketenmodellbau Klima, mit freundlicher Genehmigung – raketenmodellbau-klima.de
Gut zu sehen: Alle Motoren haben einen steilen Peak am Anfang (Initialschub) der dann abfällt. Der D9 brennt ~2s, der D3 brennt ~5s mit konstantem Schub — komplett andere Profile, aber ähnlicher Gesamtimpuls. Der Schüler kann diese Kurven auf Papier nachzeichnen und die Flächen vergleichen.

Flugdatenschreiber

KomponenteTypZweckPreis ca.
MicrocontrollerRaspberry Pi PicoSteuerung & Datenlogging~5€
BarometerBMP280 (I2C)Druck → Höhe~3€
Batterien2× LR44 in SerieStromversorgung (3V)~2€
Batteriehalter3D-gedrucktHält die LR44 im FlugFilament
Start/StopBOOTSEL-Knopf (auf dem Pico)Start/Stop Aufzeichnung—
Display (optional)OLED 128×64 I2CLive-Anzeige~5€

Schaltung

Pico          BMP280
3.3V    →     VCC
GND     →     GND
GP4     →     SDA  (I2C0)
GP5     →     SCL  (I2C0)

Start/Stop: BOOTSEL-Knopf auf dem Pico
(rp2.bootsel_button(), keine Verdrahtung nötig)

Pico          2× LR44 Knopfzellen
VSYS    →     + (3V)
GND     →     −
📖 Vollständige Projektnarrative — Warum dieses Projekt?

des Schülers regulärer Matheunterricht in Klasse 6 behandelt Themen wie Flächen, Volumen, Maßstäbe und Verhältnisse. Der Schüler beherrscht diese Inhalte bereits — der normale Unterricht bietet ihm zu wenig Herausforderung. Anstatt ihn mit Wiederholungen zu beschäftigen, bekommt er ein Ersatzprojekt das dieselben mathematischen Grundlagen verwendet, aber in einem echten, sinnvollen Kontext einbettet.

Der Kontext ist Modellraketen — der Schüler baut mit Kai echte Raketen, fliegt sie, und analysiert die Daten mathematisch. Das Projekt verbindet Schulmathematik mit Physik, Elektronik, Geschichte und wissenschaftlicher Methodik.

Der rote Faden durch das gesamte Projekt ist die Artemis-Mission der NASA. Angefangen mit der Geschichte der Raumfahrt und der Saturn V Rakete bis hin zu des Schülers eigenen Messdaten — alles hängt zusammen.

Warum funktioniert dieses Projekt pädagogisch?

  • Konkret vor abstrakt: Der Schüler sieht, misst, und berechnet echte Dinge — keine Fantasiezahlen aus dem Lehrbuch
  • Intrinsische Motivation: Raketen sind cool. Wenn Mathematik erklärt warum eine Rakete höher fliegt, ist Mathe plötzlich relevant
  • Wissenschaftliche Methode als Struktur: Nicht "lerne diese Formel", sondern "stelle eine Frage, berechne eine Hypothese, miss die Realität, vergleiche"
  • Mehrere Lerntypen: Kinästhetisch (Hand-Experiment, löten), visuell (Diagramme, Zeichnungen), analytisch (Berechnungen), sozial (Kai + Schule)
  • Natürliche Differenzierung: Jede Aufgabe hat Kern + Extension. Der Schüler kann tief gehen ohne überfordert zu werden
🎓 Partizipations-Lernmodell — Was bedeutet "Der Schüler macht mit"?

Ein wichtiger Grundsatz dieses Projekts: Der Schüler partizipiert — er ist dabei wenn echte Arbeit passiert, aber er führt nicht alles allein durch. Das ist kein Mangel, sondern eine bewusste pädagogische Entscheidung.

Echte Projekte in der Wissenschaft und Technik sind immer Teamarbeit. Ein Sechstklässler der beim Löten zuschaut, Messwerte abliest, Daten überträgt und Ergebnisse interpretiert — lernt mehr über den echten Prozess als jemand der alleine eine vereinfachte Simulation durchführt.

Konkrete Rollen im Projekt:

  • Löten: Kai lötet, der Schüler hält Teile, beobachtet, stellt Fragen — "Was passiert wenn ich das falsch anschließe?"
  • Programmieren: Kai erklärt das Gerüst, der Schüler tippt die Kernlogik (Sensor auslesen, Höhe berechnen)
  • Flüge: Der Schüler stellt die Rakete auf, startet die Aufzeichnung, zählt den Countdown
  • Daten: Der Schüler liest die CSV-Datei aus, überträgt die h-Werte in seine Schularbeit
  • Analyse: Der Schüler rechnet und zeichnet, Kai ist bei Fragen ansprechbar

In der Schule arbeitet der Schüler dann eigenständig mit den Daten und Arbeitsblättern. Die Lehrerin gibt Kontext und beantwortet Fragen — aber der Schüler kann die Arbeitsblätter selbst durcharbeiten.

🧠 Lerntypen im Projekt — Übersicht
LerntypWo im ProjektKonkrete Aktivität
🤲 KinästhetischWoche 3, parallel zuhauseHand aus Autofenster, Raketen wiegen, löten, Aufzeichnung per Knopf starten
👁 VisuellWochen 1-2, 5-6Saturn V auf Millimeterpapier, Schukkurve zeichnen, Diagramme
📐 AnalytischWochen 5-8Berechnungen, Tabellen ausfüllen, Vergleiche
🔬 WissenschaftlichWochen 7-8Hypothese → Test → Validierung → offene Fragen
💻 Praktisch-technischParallel zuhausePico löten, BMP280, MicroPython, Daten auslesen
📊 StatistischExtensionMittelwert aus Mehrfachmessungen, Streuung
🏛 Historisch-kulturellWochen 1-2Geschichte der Raumfahrt, Artemis-Kontext

Kein Lerntyp dominiert — das Projekt spricht bewusst mehrere an. Das ist besonders wichtig für einen Schüler der im regulären Unterricht unterfordert ist: Neue Herausforderungen auf mehreren Ebenen gleichzeitig.

die Modellraketen — Fotos

Beide Raketen sind selbst gebaut — Kartonrohr, Pappflossen, Estes-Motor. Der Unterschied in der Nasenform ist gut sichtbar.

Zwei Modellraketen an der Werkbank

Rakete 1 (oben im Bild)

  • Schlank, klassische Nasenform
  • ~40cm Länge
  • Erwarteter Cd: ~0.25 (aerodynamisch)
  • Pappflossen, 1 Motor

Rakete 2 (unten im Bild)

  • Bulböser Glaskopf (Kamerakopf)
  • ~40cm Länge
  • Erwarteter Cd: ~0.45 (mehr Widerstand)
  • Pappflossen, 1 Motor
Lehrerhinweis: Der Unterschied zwischen den beiden Nasenformen ist der zentrale A/B-Vergleich des Projekts. Gleicher Motor, gleiche Masse (annähernd) — aber unterschiedliche Flughöhe wegen Cd. Der Schüler soll diesen Unterschied selbst messen und erklären.

Deduktionskette — Roter Faden

SCHRITT 1 — FORWARD (Theorie, Schule)
  Motorwerte (NAR) + Masse der Rakete
  → theoretische Flughöhe h_theo berechnen
  ↓
SCHRITT 2 — MESSUNG (zuhause)
  Flugdatenschreiber → h_gemessen, p (Luftdruck), T (Temperatur)
  ↓
SCHRITT 3 — BACKWARD VALIDATION 1 (Schule)
  h_gemessen ≠ h_theo → Warum?
  Hypothese: Luftwiderstand bremst die Rakete
  → Stirnfläche A messen (Schieblehre + Schattenprojektion)
  → Cd zurückrechnen aus Gleitphase
  ↓
SCHRITT 4 — BACKWARD VALIDATION 2 (Extension)
  Motorschub zurückrechnen aus Beschleunigungsphase
  → Vergleich mit offizieller Schukkurve (thrustcurve.org)
  ↓
SCHRITT 5 — OFFENE FRAGEN (Ausblick)
  Luftdichte ρ hängt von p und T ab
  → Sensor misst beides — könnte ρ die Restdifferenz erklären?
  → Das ist Strömungslehre — für spätere Schuljahre

Wochen 1–2: Geschichte, Maßstab & Verhältnisse

Maßstäbe Verhältnisse Geometrie Artemis-Kontext

Lernziele

📚 Warum fangen wir mit Geschichte an?

Mathematik ohne Kontext ist abstrakt und unmotivierend. Indem wir mit der Geschichte der Raumfahrt beginnen, geben wir der Schüler eine emotionale und inhaltliche Verbindung zu den späteren Berechnungen.

Wenn der Schüler später die Flughöhe seiner Modellrakete berechnet, weiß er bereits: Die gleichen physikalischen Prinzipien brachten Menschen auf den Mond. Das gibt den Matheaufgaben eine ganz andere Bedeutung.

Die Artemis-Mission ist bewusst als roter Faden gewählt weil sie aktuell ist — sie läuft gerade. Der Schüler kann Neuigkeiten verfolgen, live Starts schauen, und sein Projekt fühlt sich wie ein Teil von etwas Größerem an.

📏 Maßstäbe — Warum ist das gute Mathematik für Klasse 6?

Maßstäbe sind direkt im Klasse-6-Lehrplan und werden oft als trockenes Thema unterrichtet ("1:50000 auf einer Karte"). Hier erleben sie der Schüler in einem viel spannenderen Kontext.

Die Kernfrage: "Wie groß wäre Saturn V als Modell auf meinem Tisch?" — Das ist dieselbe Mathematik wie Landkarten oder Baupläne, aber mit echter emotionaler Resonanz.

Was der Schüler dabei lernt:

  • Maßstab als Verhältnis (1:500 = jeder Meter wird zu 2mm)
  • Proportionen: Wenn die Länge ÷500, dann auch die Breite ÷500
  • Umrechnen zwischen Einheiten (m → cm → mm)
  • Bidirektionale Skalierung: Saturn V → Modell, aber auch Modell → wie groß wäre es als echte Rakete?

Verbindung zur Stirnfläche:

Wenn der Schüler die S-IVB Stirnfläche berechnet und dann mit seiner eigenen Rakete vergleicht, stellt er fest: "Meine Rakete ist viel schlanker als die oberste Saturn V Stufe — kein Wunder dass sie aerodynamischer ist!"

🖊 Zeichentechnik: Symmetrieachse und Millimeterpapier

Das Zeichnen auf Millimeterpapier ist keine Nebensache — es ist eine echte mathematische Tätigkeit. Der Schüler lernt:

  • Koordinatensystem: Jeder Punkt hat eine Position (Höhe auf der y-Achse, Abstand von Mittellinie auf der x-Achse)
  • Symmetrie: Raketen sind rotationssymmetrisch — linke Seite ist gespiegelt von rechter Seite
  • Skalierung anwenden: Echte Maße × Maßstabsfaktor = Position auf Papier
  • Kurven durch Punkte: Mehrere Punkte verbinden ergibt die Form — wie Funktionsgraphen in späteren Jahren

Die Schattenprojektion für die Stirnfläche ist ein besonders cleverer Trick: Rakete mit Taschenlampe auf Millimeterpapier projizieren, Umriss nachzeichnen, Fläche zählen. Das ist experimentelle Geometrie.

Methode: Fläche zählen vs. Formel

Der Schüler berechnet die Stirnfläche mit zwei Methoden:

  1. Zählen: Quadrate im Kreis zählen auf Millimeterpapier → anschaulich, direkt
  2. Formel: A = π × r² → schneller, genauer

Der Vergleich beider Ergebnisse ist pädagogisch wertvoll: "Die Formel gibt 1256mm², ich habe 1248 gezählt — Unterschied von 0.6%. Warum?" → Zählfehler, halbe Quadrate, Rundungen. Das ist Metrologie in der Praxis.

🚀 Warum hat die Saturn V Stufen? — Vollständige Erklärung

Das ist eine der faszinierendsten Fragen der Raketentechnik, und der Schüler kann sie mit Klasse-6-Mathematik vollständig verstehen.

Das Grundproblem:

Um in den Weltraum zu kommen, braucht eine Rakete enorme Mengen Treibstoff. Aber je mehr Treibstoff, desto schwerer die Rakete, desto mehr Treibstoff braucht man um den Treibstoff zu transportieren... Das ist ein sich selbst verstärkendes Problem.

Die Lösung: Stufen abwerfen

Wenn eine Stufe leer ist, ist sie nur noch nutzloses Gewicht. Indem man sie abwirft, wird die Rakete schlagartig viel leichter — und kann mit dem restlichen Treibstoff viel schneller beschleunigen.

Analogie für den Schüler: Stell dir vor du läufst einen Marathon und trägst dabei einen schweren Rucksack mit Wasserflaschen. Sobald eine Flasche leer ist, schmeißt du sie weg statt sie weiter zu tragen. Du wirst sofort schneller!

Zahlen für Klasse 6:

  • Saturn V beim Start: 2.970.000 kg (fast 3.000 Tonnen!)
  • Davon ist Treibstoff: ~2.700.000 kg (90%!)
  • Nach Brennschluss S-IC: ~700.000 kg (S-IC wurde abgeworfen)
  • Apollo-Kapsel die zum Mond flog: nur ~28.800 kg

Die Rakete verliert also 99% ihres Startgewichts auf dem Weg zum Mond. Ohne Stufen wäre das nicht möglich — die Rakete müsste das Gewicht der leeren Tanks die ganze Zeit mitschleppen.

Verbindung zu die Modellraketen:

des Schülers Modellrakete hat keine Stufen — sie ist ein einstufiges System. Deshalb ist der Motor-Gesamtimpuls und die Startmasse direkt bestimmend für die Flughöhe. Das macht die Berechnung einfacher, bedeutet aber auch eine "ineffizientere" Rakete als Saturn V.

Als Bonus-Aufgabe kann der Schüler den Motor vor und nach dem Flug wiegen — die Differenz ist der Treibstoff. Er sieht dann dass auch seine kleine Rakete während des Flugs leichter wird!

Kontext: Warum Stufen?

Saturn V hat 3 Stufen — jede wird abgeworfen wenn der Treibstoff leer ist. Warum? Weil eine leere Stufe nur noch Gewicht ist! Je leichter die Rakete, desto höher fliegt sie.

Analogie: Stell dir vor du trägst einen schweren Rucksack. Wenn du ihn loswerden kannst sobald er leer ist, läufst du viel schneller!

Saturn V Dimensionen (für Zeichnung)

Stufe / PunktPosition (m)Ø (m)Halber Ø (m)Anmerkung
S-IC Basis010.15.05Breiteste Stufe, 5× F-1 Motoren
S-IC Ende4210.15.05Zylinder
Adapter: Einzug439.94.95⬅ 0.2m Einzug — auf Papier sichtbarer Übergang
Adapter: Auslauf459.94.95
S-II Start459.94.952. Stufe, 5× J-2 Motoren
S-II Ende689.94.95Zylinder
Adapter: Einzug699.74.85⬅ Konisch von 9.9m auf 6.6m — markantester Übergang!
Konus Mitte 1708.84.40
Konus Mitte 2717.73.85
Konus Ende726.63.30
S-IVB Start726.63.303. Stufe, 1× J-2 Motor
S-IVB Ende906.63.30Zylinder
Adapter: Einzug916.43.20⬅ Konisch → Apollo-Kapsel
Konus Mitte 1945.52.75
Konus Mitte 2984.22.10
Konus Ende1013.91.95
Apollo-Kapsel1013.91.95Kommandomodul
Spitze (Escape Tower)11100Spitze

Halber Durchmesser = Abstand von der Mittellinie. Bei Ø 10.1m → je 5.05m nach links und rechts

Lehrerhinweis: Beim Zeichnen der Stufen-Übergänge: Die Adapter-Ringe sind bewusst konisch (nicht scharfkantig) um aerodynamische Kanten zu vermeiden. Das ist ein schöner Aufhänger für Luftwiderstand in Woche 3.

Arbeitsblatt 1: Saturn V auf Millimeterpapier

Arbeitsblatt 1 · Woche 1 Name: _________________ · Datum: _________________

Saturn V zeichnen — Schritt für Schritt

Du wirst heute die Saturn V Rakete maßstabsgetreu auf Millimeterpapier zeichnen. Dazu brauchst du: Millimeterpapier, Bleistift, Lineal, Zirkel.

1
Maßstab berechnen
Saturn V ist 111m hoch. Dein Papier hat Platz für etwa 22cm. Welcher Maßstab passt?
Beispiel Maßstab 1:500:
111m ÷ 500 = 0.222m = 22.2cm auf dem Papier ✓
Mein Maßstab: 1 : → Höhe auf Papier: cm
2
Mittellinie zeichnen
Zeichne eine senkrechte Linie von unten nach oben in der Mitte deines Papiers. Das ist die Symmetrieachse.
💡 Tipp: Nutze die gedruckte Linie auf dem Millimeterpapier als Führung.
3
Stufen-Punkte eintragen
Rechne jeden Wert aus der Tabelle um und trage ihn ein:
StufeHöhe echt (m)÷ Maßstab= Höhe auf Papier (cm)Ø/2 auf Papier (cm)
S-IC Basis0m÷ 5000cm1.01cm
Adapter S-IC/S-II42m÷ 500
Adapter Ende44m÷ 500
Adapter S-II/S-IVB68m÷ 500
Konus Ende72m÷ 500
S-IVB Ende90m÷ 500
Spitze111m÷ 5000cm
4
Punkte eintragen und verbinden
Trage jeden Punkt auf der Mittellinie ein (Höhe), dann markiere rechts und links je den Radius. Verbinde alle Punkte mit einer Linie.
💡 Denk dran: Die Rakete ist symmetrisch — linke und rechte Seite sind gespiegelt!
5
S-IVB Querschnitt einzeichnen
Zeichne einen Kreis mit Radius cm (= halber Durchmesser der S-IVB Stufe) auf dem Papier.
Dieser Kreis ist die Stirnfläche der obersten Stufe.

✓ Kontroll-Fragen

  • Ist deine Zeichnung symmetrisch (links = rechts)?
  • Erkennst du die 3 Stufen mit den Übergängen?
  • Ist die Spitze oben und die breite Basis unten?
  • Wie viele Zentimeter ist deine Zeichnung hoch? cm

Arbeitsblatt 2: die Modellrakete vermessen

Hausaufgabe — zuhause mit Kai durchführen

Arbeitsblatt 2 · Hausaufgabe Woche 1 Name: _________________ · Datum: _________________

Du vermisst heute deine echte Modellrakete — genau wie Ingenieure es machen!

Teil 1: Rakete vermessen

PunktPosition (cm von unten)Durchmesser (mm)Radius = Ø÷2 (mm)
Schwanzende0
Unterer Körper
Körper-Mitte
Größter Durchmesser
Übergang zur Nase
Nasen-Mitte
Nasen-Spitze00

Teil 2: Stirnfläche berechnen

A
Methode 1: Zählen auf Millimeterpapier
Zeichne deinen Raketen-Querschnitt (Kreis mit größtem Radius) auf Millimeterpapier.
Zähle die Quadrate innerhalb des Kreises:

Volle Quadrate: + halbe Quadrate: ÷ 2 = mm²
B
Methode 2: Formel
Beispiel: Radius = 20mm → Fläche = 3.14 × 20 × 20 = 1256 mm²
Größter Radius r = mm
Fläche = 3.14 × × = mm²
C
Vergleich
Gezählte Fläche: mm² | Berechnete Fläche: mm²
Unterschied: mm²

Warum sind sie nicht genau gleich?

Teil 3: Verhältnis zu Saturn V

1
Deine Rakete ist cm = m hoch.
Saturn V ist 111m hoch.
Verhältnis: 111m ÷ m = : 1
Das bedeutet: Saturn V ist ca. mal so groß wie deine Rakete.
2
Wenn deine Rakete Saturn V Größe hätte, welchen Durchmesser hätte sie dann?
Beispiel: Rakete 40cm, Verhältnis 277:1 → Ø = 32mm × 277 = 8,864mm = 8.9m
Dein Durchmesser × = mm = m

Saturn V S-IVB Durchmesser: 6.6m
Meine Rakete hochgerechnet wäre: m → breiter / schmäler / gleich (durchstreichen)

✓ Kontroll-Fragen

  • Hast du beide Methoden für die Fläche berechnet?
  • Sind die Ergebnisse ähnlich? (Unterschied < 10%)
  • Weißt du was "Verhältnis 1:277" bedeutet?

Wochen 3–4: Physik-Grundlagen

Kraft & Impuls Actio/Reactio Barometer-Theorie Experimente
🤲 Hand-Experiment — Vollständige Durchführungsanleitung

Dieses Experiment ist der wichtigste kinästhetische Einstieg des gesamten Projekts. Es sollte vor jeder Formel und vor jeder Berechnung stattfinden.

Durchführung:

  1. Auto fährt mit ~50 km/h (Landstraße, ruhige Situation)
  2. Der Schüler streckt die Hand aus dem Fenster — flach, parallel zum Boden
  3. "Was spürst du?" → Kaum Widerstand
  4. Hand langsam aufstellen — senkrecht zum Fahrtwind
  5. "Was spürst du jetzt?" → Starker Druck, Hand wird nach hinten gedrückt
  6. Hand wieder flach → Widerstand nimmt sofort ab

Was der Schüler dabei lernt (ohne Formeln):

  • Luftwiderstand hängt von der Form ab (nicht nur Größe)
  • Flache Hand = kleine Querschnittsfläche = wenig Widerstand
  • Aufgestellte Hand = große Querschnittsfläche = viel Widerstand
  • Das ist genau der Unterschied zwischen Rakete 1 (spitz) und Rakete 2 (bulbös)

Anschlussfragen für die Schule:

  • "Wenn du eine Rakete bauen würdest — welche Form würdest du wählen?"
  • "Warum haben Sportwagen eine flache Form und nicht eine hohe Kastenwagen-Form?"
  • "Was würde passieren wenn du die Hand schräg hältst?"

Hinweis: Das Experiment sollte wirklich physisch durchgeführt werden, nicht nur beschrieben. Der körperliche Eindruck ist entscheidend für das spätere Verständnis der Formeln.

⚡ Actio und Reactio — Warum fliegt eine Rakete wirklich?

Newtons drittes Gesetz ist das Herzstück der Raketentechnik. Für Klasse 6 muss es nicht als Formel kommen — als Konzept ist es vollständig verständlich.

Die einfache Version:

Wenn etwas in eine Richtung gedrückt wird, drückt es gleichzeitig gleichstark in die andere Richtung zurück. Das klingt seltsam, aber wir erleben es ständig:

  • Beim Schwimmen: Du drückst das Wasser nach hinten → Wasser drückt dich nach vorne
  • Luftballon loslassen: Luft strömt hinten raus → Ballon fliegt nach vorne
  • Gewehr schießen: Kugel fliegt nach vorne → Gewehr kickt nach hinten (Rückstoß)
  • Rakete: Verbrennungsgase strömen nach unten → Rakete fliegt nach oben

Der entscheidende Unterschied zu einem Flugzeug:

Ein Flugzeug braucht Luft zum Fliegen — seine Flügel erzeugen Auftrieb durch Luft. Eine Rakete braucht keine Luft — sie stößt einfach Masse aus und wird dabei in die entgegengesetzte Richtung beschleunigt. Deshalb funktionieren Raketen auch im Vakuum des Weltraums.

Für der Schüler visualisiert:

Stell dir vor du sitzt auf einem Rollbrett und wirfst schwere Bälle nach hinten. Jeder geworfene Ball drückt dich ein bisschen nach vorne. Wenn du viele Bälle sehr schnell nach hinten wirfst — das ist eine Rakete!

🌡 Barometrische Höhenmessung — Vollständige Erklärung

Unser BMP280 Sensor misst Luftdruck. Aber warum gibt uns Luftdruck die Höhe?

Was ist Luftdruck?

Stell dir eine Säule Luft vor, die von deinem Kopf bis ganz oben zur Atmosphäre reicht. Diese Luftsäule hat ein Gewicht — und dieses Gewicht drückt auf dich herunter. Das ist der Luftdruck.

Am Meeresspiegel ist die Luftsäule am längsten (und schwersten) → höchster Druck (~1013 hPa).
Auf einem Berg ist die Luftsäule kürzer → niedrigerer Druck.
Im Weltraum gibt es keine Luft → Druck = 0.

Die Faustregel:

Pro 8.5 Meter Höhengewinn sinkt der Luftdruck um ~1 hPa. Das ist einfach genug für Klasse 6 zum Rechnen.

Warum muss man kalibrieren?

Der Luftdruck ändert sich nicht nur mit der Höhe, sondern auch mit dem Wetter. Ein Tiefdruckgebiet kann den Luftdruck um 20-30 hPa senken — das wären 170-255 Meter Fehler! Deshalb muss man vor jedem Flug den aktuellen Bodenluftdruck messen und als Referenzwert (p₀) speichern.

Temperatureinfluss:

Warme Luft ist leichter als kalte Luft (sie dehnt sich aus). Das bedeutet: An einem heißen Sommertag ist die effektive "Höhe" etwas größer als an einem kalten Wintertag, bei gleichem Luftdruck. Für das Projekt ignorieren wir das — aber es erklärt warum professionelle Wetterballons sehr genaue Temperaturmessungen durchführen.

Was der BMP280 konkret macht:

  1. Misst den aktuellen Luftdruck p in hPa (z.B. 1009.3 hPa)
  2. Der Pico rechnet: h = 44330 × (1 − (p/p₀)^(1/5.255))
  3. Ergebnis: Höhe über dem Startpunkt in Metern
  4. Speichert den Wert mit Zeitstempel in einer CSV-Datei

Der Schüler muss die Formel nicht verstehen — aber er soll wissen: "Mein Sensor misst Luftdruck, und der Microcontroller rechnet daraus die Höhe."

📐 Kraft, Masse, Beschleunigung — Vorbereitung auf F=ma

Die Grundformel F = m × a ist eigentlich einfacher als sie aussieht. Der Schüler kann sie vollständig verstehen wenn man von konkreten Beispielen ausgeht.

Intuition aufbauen:

  • Eine kleine Kraft auf eine schwere Masse → kleine Beschleunigung (Schiebe einen Lastwagen)
  • Eine große Kraft auf eine leichte Masse → große Beschleunigung (Schiebe ein Fahrrad)
  • Gleiche Kraft auf verschiedene Massen → verschiedene Beschleunigungen

Für die Modellrakete:

Motor B6 liefert durchschnittlich 5N Schub. Rakete wiegt 80g = 0.08 kg.

Aber: Die Schwerkraft zieht gleichzeitig mit 0.08 × 9.81 = 0.785N nach unten.

Netto-Kraft = 5N − 0.785N = 4.215N nach oben.

Beschleunigung = 4.215N ÷ 0.08kg = 52.7 m/s² nach oben.

Das ist fast 5.4× die Erdbeschleunigung — kein Wunder dass Raketen so schnell steigen!

Warum hört die Rakete nicht auf zu steigen wenn der Motor ausgeht?

Weil sie Geschwindigkeit (Impuls) gespeichert hat. Wenn der Motor aufhört, ist die Rakete schon sehr schnell — und fliegt weiter nach oben bis die Schwerkraft sie abbremst. Das ist die Gleitphase (Coasting).

Warum fliegt eine Rakete?

Treibstoff verbrennt → Gase expandieren → werden nach hinten ausgestoßen → Rakete wird nach vorne/oben gedrückt.

Das ist Newtons 3. Gesetz: Jede Aktion erzeugt eine gleich große Reaktion in die entgegengesetzte Richtung.

Kinästhetisches Experiment: Hand aus dem Autofenster

Hand flach halten (parallel zum Boden) → kaum Widerstand
Hand aufgestellt (senkrecht) → starker Widerstand

Das ist der Luftwiderstand — er hängt von der Form ab. Flache Hand = kleine Fläche = wenig Widerstand. Aufgestellte Hand = große Fläche = viel Widerstand.

Genau so bei Raketen: Schlanke Nase = weniger Luftwiderstand = höher fliegen!

Barometrische Höhenmessung

Unser BMP280 Sensor misst Luftdruck in hPa (Hektopascal). Je höher man kommt, desto weniger Luft drückt von oben → Luftdruck sinkt.

Faustregel: Pro 8.5 Meter Höhe sinkt der Luftdruck um ~1 hPa.
Boden: p₀ = 1013 hPa → bei 85m Höhe: p ≈ 1003 hPa

Die genaue Formel:

h = 44330 × (1 - (p / p₀)^(1/5.255))

Wobei:  p₀ = Luftdruck am Boden (vor dem Start messen!)
        p  = gemessener Luftdruck in der Höhe

Für Klasse 6: Die Formel müssen wir nicht auswendig lernen. Wichtig ist: Sensor misst Druck → Pico rechnet Höhe aus.

Lehrerhinweis: Warum muss p₀ vor jedem Flug neu gemessen werden? Weil Wetter, Temperatur und Standort den Luftdruck beeinflussen. Ein Sturm kann den Luftdruck um 10-20 hPa ändern — das wären bis zu 170m Fehler! Das ist Messkalibrierung in der Praxis.

Arbeitsblatt 3: Physik-Grundlagen

Arbeitsblatt 3 · Woche 3 Name: _________________ · Datum: _________________

Teil 1: Actio und Reactio

1
Erkläre in eigenen Worten: Warum fliegt eine Rakete?
2
Hand-Experiment: Strecke deine Hand aus dem Autofenster (bei langsamer Fahrt).
Beschreibe was du spürst:
PositionWas spürst du?Warum?
Hand flach
Hand aufgestellt

Teil 2: Kraft und Beschleunigung

Grundformel: Kraft = Masse × Beschleunigung  |  F = m × a
Umgestellt: Beschleunigung = Kraft ÷ Masse  |  a = F ÷ m
3
Rakete 1 wiegt 80g = 0.08 kg. Motor B6 hat Durchschnittsschub 5N.
Welche Netto-Beschleunigung hat die Rakete? (Schwerkraft g = 9.81 m/s²)

Rechnung:
Netto-Kraft = Schub − Gewichtskraft = 5N − (0.08 × 9.81)N = 5N − 0.785N = 4.215N
Beschleunigung = 4.215N ÷ 0.08kg = 52.7 m/s²
Jetzt für Rakete 2 (120g = 0.12 kg), gleicher Motor B6:
Gewichtskraft = 0.12 × 9.81 = N
Netto-Kraft = 5N − N = N
Beschleunigung = N ÷ 0.12 kg = m/s²

Teil 3: Barometer-Verstehen

4
Was passiert mit dem Luftdruck wenn man höher steigt?
💡 Denk an eine Säule Luft über dir. Je höher du bist, desto kürzer ist diese Säule.
5
Boden-Luftdruck: p₀ = 1013 hPa. Nach dem Flug zeigt der Sensor: p = 1009 hPa.
Druckdifferenz: hPa
Ungefähre Flughöhe (Faustregel: 1 hPa ≈ 8.5m): × 8.5 = m

✓ Kontroll-Fragen

  • Warum beschleunigt die schwerere Rakete langsamer?
  • Warum muss man den Luftdruck vor dem Start messen (Kalibrierung)?
  • Was ist der Unterschied zwischen Kraft und Beschleunigung?

Wochen 5–6: Schukkurve & Flughöhe berechnen

Fläche unter Kurve Diskrete Integration Tabellen Diagramme
📈 Die Schukkurve verstehen — Vollständige Erklärung

Die Schukkurve ist das Herzstück der theoretischen Berechnung. Sie zeigt wie viel Schub (Kraft in Newton) ein Motor in jedem Moment seiner Brennzeit liefert.

Was man auf der Schukkurve sieht:

  • X-Achse: Zeit in Sekunden (wie lange brennt der Motor)
  • Y-Achse: Schubkraft in Newton (wie stark drückt er)
  • Fläche unter der Kurve: Gesamtimpuls in Newton-Sekunden (N·s)

Der Estes B6 Motor im Detail:

Der B6 hat einen charakteristischen Spitzen-Peak am Anfang (bis zu 12.1N) der dann schnell abfällt. Das ist typisch für Composite-Motoren: Anfangs sehr starker Schub um die Rakete schnell zu beschleunigen, dann nachlassend.

Die Nomenklatur "B6" bedeutet: B = Gesamtimpuls 2.5-5 N·s, 6 = durchschnittlicher Schub in Newton.

Von der Kurve zur Flughöhe — das Kernkonzept:

Die Fläche unter der Schukkurve ist der Gesamtimpuls. Impuls geteilt durch Masse ergibt den Geschwindigkeitszuwachs. Geschwindigkeit × Zeit ergibt die zurückgelegte Distanz.

Das klingt kompliziert — aber der Schüler macht es Schritt für Schritt in einer Tabelle, und plötzlich ist es nur noch Addition!

🔢 Diskrete Integration — Was wir dabei gelernt haben

Im Laufe der Entwicklung dieser Simulation haben wir mehrere wichtige Fehler gemacht und korrigiert. Das ist selbst ein Lerninhalt:

Fehler 1: Euler-Reihenfolge

Wir haben zuerst v mit dem neuen Δv aktualisiert, dann h mit dem neuen v berechnet — das ergab doppelte Höhe.

Korrektur: Erst h = h + v_alt × Δt, dann v = v_alt + a × Δt. Die Reihenfolge der Operationen ist entscheidend.

Fehler 2: Schrittweite

0.1s überall gibt zu viele Zeilen für Handrechnung. Lösung: Variable Schrittweite — 0.1s während der Brennphase (hier passiert viel), 1.0s in der Gleitphase (simpler freier Fall).

Fehler 3: Integrationsmethode

Schub am Anfang des Intervalls nehmen führt zu Fehlern bei stark wechselnder Kurve (wie dem B6 Peak bei 0.1s).

Korrektur: Trapezregel — F = (F(t₀) + F(t₁)) / 2 — Durchschnitt aus Start- und Endwert des Intervalls. Genauer, besonders bei steil abfallenden Kurven.

Warum ist das für den Schüler relevant?

Wenn der Schüler die Tabelle auf Papier ausfüllt, macht er dieselben Operationen wie unser Code. Er sieht direkt: "Wenn ich die Reihenfolge ändere, bekomme ich andere Ergebnisse." Das ist ein tiefer Einblick in numerische Mathematik — lange vor der Schulmathematik die das formell behandelt.

Verbindung zu Integralrechnung (Ausblick Klasse 10/11):

Was der Schüler mit Rechtecken und Trapezen macht, ist buchstäblich diskrete Integration. In Klasse 10/11 wird er lernen: Das Integral ist der Grenzwert dieser Summe wenn Δt gegen 0 geht. Dann wird er sich erinnern: "Das kenne ich — das habe ich mit Raketen gemacht!"

📐 Fläche unter der Kurve — Verbindung zum Klasse-6-Lehrplan

Das aktuelle Thema in Klasse 6 sind Flächen und geometrische Formen. Das Projekt nutzt genau dieses Wissen — aber in einem vollkommen neuen Kontext.

Was der Schüler bereits kann (aus dem Unterricht):

  • Fläche eines Rechtecks: A = Breite × Höhe
  • Fläche eines Kreises: A = π × r²
  • Mehrere Flächen addieren

Was er im Projekt macht:

  • Schukkurve in Zeitintervalle aufteilen (Rechtecke)
  • Fläche jedes Rechtecks: F(t) × Δt (Schub × Zeit = Impuls)
  • Alle Flächen addieren = Gesamtimpuls
  • Verfeinerung: Trapeze statt Rechtecke → genauere Fläche

Das ist Flächenberechnung in Reinform — nur dass die Fläche jetzt nicht ein Garten oder Zimmer ist, sondern der Antriebsimpuls einer Rakete.

Der pädagogische Trick:

Der Schüler soll nie hören "Wir machen jetzt Integralrechnung." Er soll stattdessen hören: "Zeichne Rechtecke unter die Kurve und addiere die Flächen." Das ist Integration — aber auf eine Weise die in Klasse 6 vollständig zugänglich ist.

Die Schukkurve

Jeder Raketenmotor hat eine Schukkurve — sie zeigt wie der Schub sich über die Zeit verändert. Die Kurve ist öffentlich verfügbar auf thrustcurve.org.

Kernidee: Fläche = Impuls

Die Fläche unter der Schukkurve ist der Gesamtimpuls des Motors in Newton-Sekunden (N·s).

Impuls ÷ Masse = Geschwindigkeitszuwachs Δv

Das ist wie Rechtecke zählen — genau wie Flächen in der Schule!

Von Schub zu Höhe — Schritt für Schritt

Schukkurve ablesen → F [N]
    ↓ ÷ Masse
Beschleunigung a [m/s²]
    ↓ × Δt aufaddieren
Geschwindigkeit v [m/s]
    ↓ × Δt aufaddieren
Höhe h [m]

Das sind zwei mal hintereinander addieren — genau wie eine Reihe in Mathematik. Der Schüler kennt das aus dem Grundschulrechnen!

Arbeitsblatt 4: Schukkurve analysieren

Arbeitsblatt 4 · Woche 5 Name: _________________ · Datum: _________________

Estes B6 Motor — Schukkurve

Hier sind die Messwerte des B6 Motors (Quelle: NAR / thrustcurve.org):

Echte Schukkurven der KLAMA-Motoren (Bild oben im Curriculum) — Der Schüler kann diese Kurven als Vorlage für seine Handzeichnung verwenden.

Zeit t (s)Schub F (N)Zeitschritt Δt (s)Fläche Rechteck (N·s)Fläche Trapez (N·s)
0.08.00.1
0.112.10.1
0.28.00.1
0.36.00.1
0.44.00.1
0.53.00.1
0.62.00.1
0.71.00.1
0.80.50.1
0.90.0———
SUMME (= Gesamtimpuls) N·s N·s
Rechteck: Fläche = F(t₀) × Δt  ·  Beispiel t=0.0: 8.0 × 0.1 = 0.80 N·s
Trapez: Fläche = (F(t₀) + F(t₁)) ÷ 2 × Δt  ·  Beispiel t=0.0→0.1: (8.0 + 12.1) ÷ 2 × 0.1 = 1.005 N·s

NAR-Wert für B6: 4.30 N·s

Welche Methode kommt näher dran?

✓ Kontroll-Fragen

  • Was bedeutet die Fläche unter der Schukkurve?
  • Warum ist die Trapez-Methode genauer?
  • Was würde passieren wenn der Motor länger brennt?

Arbeitsblatt 5: Theoretische Flughöhe berechnen

Arbeitsblatt 5 · Woche 5–6 Name: _________________ · Datum: _________________

Diskrete Flugsimulation — Schritt für Schritt

Fülle die Tabelle aus. Jede Zeile ist ein Zeitschritt von 0.5s (vereinfacht für Handrechnung).

Vorgehen pro Zeile:
1. F aus Motor-Tabelle ablesen
2. a = (F − m×g) ÷ m
3. Δv = a × Δt
4. v_neu = v_alt + Δv
5. Δh = v_alt × Δt
6. h_neu = h_alt + Δh

Motor: B6 · Masse: 80g = 0.08kg · g = 9.81 m/s² · Δt = 0.5s

t (s)F (N)a (m/s²)Δv (m/s) v (m/s)Δh (m)h (m)Phase
0.08.00.00.00.0🔥 Schub
0.53.5🔥 Schub
1.00.0🌬 Gleiten
2.00.0🌬 Gleiten
3.00.0🌬 Gleiten
4.00.0↓ Fallen
5.00.0↓ Fallen
💡 In der Gleitphase (kein Schub): F = 0 → a = −g = −9.81 m/s²

Maximale Flughöhe (Höhepunkt wenn v = 0): h ≈ m

✓ Kontroll-Fragen

  • Wann ist die Geschwindigkeit am größten?
  • Was passiert mit v in der Gleitphase?
  • Warum fällt die Höhe nach dem Scheitelpunkt?

Wochen 7–8: Messdaten auswerten

Datenanalyse Vergleich Luftwiderstand Cd berechnen
🔬 Backward Validation — Was wir wirklich messen und warum

Das ist der wissenschaftlich wichtigste Teil des Projekts. Der Schüler hat eine Theorie (h_theo) und eine Messung (h_gemessen). Jetzt stellt er fest: Sie stimmen nicht überein.

Die Frage "Warum?" führt durch mehrere Ebenen:

  1. Hypothese 1: Luftwiderstand
    h_gemessen < h_theo → irgendetwas hat die Rakete gebremst → Luftwiderstand!
    Test: Stirnfläche messen, Cd zurückrechnen → Passt der Cd zu unserer Raketenform?
  2. Hypothese 2: Motor-Variabilität
    War der Motor wirklich so wie NAR angibt? → Motorschub zurückrechnen aus Beschleunigungsphase → Mit Schukkurve vergleichen
  3. Hypothese 3: Messfehler
    Ist der Barometer genau genug? → Mehrfachmessungen, Mittelwert bilden

Was der Schüler lernt:

Echte Wissenschaft hat selten eine einzige Ursache für eine Abweichung. Mehrere Faktoren wirken gleichzeitig. Das Ziel ist nicht "die eine Antwort finden", sondern "verstehen welche Faktoren wie viel beitragen."

Das ist eine der reifsten wissenschaftlichen Einsichten — und der Schüler erlebt sie mit echten Daten.

💨 Luftwiderstand und Cd — Schritt für Schritt aufgebaut

Der Luftwiderstandsbeiwert Cd (auch CW-Wert) ist eine dimensionslose Zahl die beschreibt wie aerodynamisch ein Objekt ist. Für Klasse 6 muss der Schüler nicht die Formel herleiten — aber er soll verstehen was sie bedeutet.

Intuition (vom Hand-Experiment):

  • Flache Hand → kleiner Cd (~0.1)
  • Aufgestellte Hand → großer Cd (~1.0)
  • Schlanke Rakete → kleiner Cd (~0.3)
  • Bulböse Rakete → größerer Cd (~0.5)
  • Kugel → Cd ≈ 0.47

Die Formel (zur Information, nicht auswendig lernen):

F_drag = 0.5 × ρ × v² × Cd × A

Wobei: ρ = Luftdichte (1.225 kg/m³), v = Geschwindigkeit, A = Stirnfläche

Was der Schüler tut:

In der Gleitphase (kein Schub mehr) wirkt nur noch Schwerkraft und Luftwiderstand. Die Messdaten zeigen die tatsächliche Verzögerung. Daraus kann man Cd zurückrechnen:

Cd = 2 × F_drag / (ρ × v² × A)

Stirnfläche messen: Schattenprojektion

Eine elegante Methode um die echte Stirnfläche zu messen: Rakete mit parallelem Licht (weit entfernte Lichtquelle oder Taschenlampe aus großer Entfernung) auf Millimeterpapier projizieren. Den Umriss nachzeichnen, Quadrate zählen. Das ergibt die echte projizierte Stirnfläche.

Alternativ: Mit Schieblehre den maximalen Durchmesser messen → A = π × r²

A/B-Vergleich: Rakete 1 vs. Rakete 2:

Das Beste an das Projektsetup: Er hat zwei Raketen mit verschiedenen Nasenformen. Mit gleichem Motor und ähnlicher Masse kann er direkt sehen: Rakete 2 (bulbös) fliegt niedriger. Der Cd-Unterschied ist messbar und erklärbar.

⚠️ Confounder-Variablen — Was wir kontrollieren müssen

Wenn Rakete 1 höher fliegt als Rakete 2, könnte das an der Form liegen — oder an der Masse. Wenn beide Raketen unterschiedlich schwer sind, ist der Cd-Vergleich nicht sauber.

Masse als Confounder:

Beide Raketen wiegen unterschiedlich. Deshalb berechnen wir die theoretische Höhe für jede Rakete mit ihrer eigenen Masse. Die Differenz (h_theo − h_gemessen) ist dann Masse-bereinigt und zeigt wirklich nur den Luftwiderstandsunterschied.

Sauberer Vergleich (Extension):

Wenn Zeit bleibt: Ballast zur leichteren Rakete hinzufügen bis beide gleich schwer sind. Dann ist die Masse als Variable eliminiert — der einzige Unterschied ist die Form.

Das ist "Kontrollvariable halten" — ein zentrales Konzept des wissenschaftlichen Experiments, das der Schüler hier ganz natürlich lernt.

Andere Variablen die wir ignorieren:

  • Wind: Nicht messbar ohne Windmesser, klein gehalten durch Wahl des Starttages
  • Abschusswinkel: Nicht exakt 90° → h wäre kleiner. Abschätzung möglich.
  • Luftfeuchte: Ändert Luftdichte minimal (<1%), ignorierbar
  • Motor-Variabilität: Gleiche Charge ±5% — bei Mehrfachmessungen herausmittelbar

In diesen Wochen bringt der Schüler die echten Messdaten aus den Flügen mit in den Unterricht und vergleicht sie mit seiner theoretischen Berechnung.

Arbeitsblatt 6: Messdaten auswerten

Arbeitsblatt 6 · Woche 7–8 Name: _________________ · Datum: _________________

Teil 1: Gemessene Höhe eintragen

t (s)h_theo (m)h_gemessen (m)Differenz (m)Differenz (%)
0.5
1.0
2.0
3.0
Max.

Teil 2: Diagramm zeichnen

Zeichne auf Millimeterpapier: Zeit (x-Achse) vs. Höhe (y-Achse)

  • Blaue Linie: h_theo (theoretisch)
  • Rote Linie: h_gemessen (gemessen)

Was fällt dir auf?

Teil 3: Warum ist h_gemessen kleiner?

?
Was könnte die Rakete gebremst haben?
💡 Denk an das Hand-Experiment aus Woche 3!

Teil 4: Vergleich Rakete 1 vs. Rakete 2

RaketeFormh_theo (m)h_gemessen (m)Differenz (m)
1 (spitz)Schlank
2 (bulbös)Runder Kopf

Welche Rakete fliegt höher?

Warum?

✓ Kontroll-Fragen

  • Was bedeutet es wenn h_gemessen < h_theo?
  • Warum fliegt die schlanke Rakete höher als die bulböse?
  • Was würde passieren wenn kein Luftwiderstand existieren würde?

Woche 9: Präsentation

Der Schüler präsentiert sein gesamtes Projekt — mit den echten Raketen, seinen Berechnungen und den gemessenen Daten.

Präsentations-Struktur

  1. Was ist ein Raketenmotor? (Hand-Experiment erklären)
  2. Saturn V Zeichnung zeigen + erklären
  3. Theorie: "So hoch sollte meine Rakete fliegen..."
  4. Praxis: "So hoch ist sie wirklich geflogen..."
  5. Analyse: "Das ist der Unterschied — und hier ist warum"
  6. Offene Fragen: "Das haben wir noch nicht herausgefunden..."

Hardware-Track (parallel zuhause)

🔧 Hardware-Entscheidungen — Warum diese Komponenten?

Raspberry Pi Pico — warum nicht Arduino?

  • Günstiger (~4€ vs ~20€ für Arduino Uno)
  • Leichter (kleiner Formfaktor)
  • MicroPython läuft nativ — einfacher für den Schüler als C++
  • Interner Flash-Speicher — keine SD-Karte nötig für kurze Flüge
  • Kai hat bereits Erfahrung (Meshtastic-Projekt)

BMP280 — warum kein GPS?

  • GPS ist zu langsam (1Hz Update-Rate) für Raketenflüge
  • GPS funktioniert oft nicht bei schnellen Bewegungen
  • BMP280 sampelt bis zu 25-50 Hz — viel besser für Raketendynamik
  • Günstig (~3€), I2C, direkt kompatibel mit Pico
  • Misst auch Temperatur und Druck — interessant für Unterricht

2× LR44 Knopfzellen — warum nicht CR2032?

CR2032 Zellen haben einen zu hohen Innenwiderstand für den Pico. Unter Last bricht die Spannung ein und der Microcontroller startet neu. Zuerst haben wir deshalb 2× AAA in Serie verwendet (stabile 3V, ~11g). Im Flugbetrieb bewährt haben sich inzwischen 2× LR44 in Serie an VSYS: deutlich leichter und kleiner, und für die kurze Aufzeichnungsdauer eines Flugs ausreichend. Gehalten werden sie von einem selbst konstruierten, 3D-gedruckten Batteriehalter.

Start/Stop über den BOOTSEL-Knopf:

Ein extra Taster ist nicht nötig: Der Pico hat bereits den BOOTSEL-Knopf, den MicroPython mit rp2.bootsel_button() auslesen kann. Gedrückt = 1, losgelassen = 0. Die Software erkennt den Tastendruck und startet bzw. stoppt die Aufzeichnung. Das spart Gewicht, Verdrahtung und eine Fehlerquelle.

💻 Warum MicroPython und wie arbeiten wir mit KI zusammen?

Eine bewusste Entscheidung in diesem Projekt: Der Code wird nicht komplett von Claude generiert. Stattdessen gibt es einen Hybrid-Ansatz:

Was Claude macht:

  • Erklärt Konzepte (I2C, Sensorkommunikation, Dateisystem)
  • Schreibt das Gerüst (Imports, Setup, Grundstruktur)
  • Debuggt Fehler gemeinsam mit dem Schüler und Kai

Was der Schüler macht:

  • Schreibt die Kernlogik selbst: read_sensor(), calculate_altitude()
  • Tippt den Code ab (nicht copy-paste)
  • Erklärt was jede Zeile tut (Kai fragt nach)

Warum dieser Ansatz?

Wenn man KI den Code komplett schreiben lässt, lernt man nichts über Programmierung. Wenn man alles von Null macht, dauert es zu lang und ist frustrierend. Der Hybrid-Ansatz gibt der Schüler das Fundament und lässt ihn die wichtigen Teile selbst schreiben — dort wo das echte Verständnis entsteht.

VS Code mit der "Raspberry Pi Pico" Extension ist die empfohlene Entwicklungsumgebung. Alternativ funktioniert Thonny IDE sehr gut für Anfänger.

Wichtig: Der Schüler partizipiert — er ist dabei wenn echte Arbeit passiert, macht mit wo er kann. Ziel ist Prozess-Verständnis, nicht Allein-Ausführung.
WocheSchrittdes Schülers Rolle
1Hardware bestellen (BMP280, JST-Connector)Bestellliste lesen, mitentscheiden
2Schaltung aufbauen, Pico + BMP280 verbindenKabel stecken, Kai lötet
3MicroPython Setup, ersten Code schreibenCode eintippen, Kai erklärt
4Sensor testen, KalibrierungMesswerte ablesen, notieren
5Erste TestflügeAufzeichnung starten, Rakete aufstellen
6Daten auslesen, CSV öffnenDatei kopieren, Werte in Tabelle übertragen
7–8Messdaten für Schularbeit aufbereitenh-Werte in Arbeitsblatt 6 eintragen

MicroPython Code-Skeleton

import machine
import rp2
import time
from bmp280 import BMP280  # Library von community

# Setup I2C
i2c = machine.I2C(0, sda=machine.Pin(4), scl=machine.Pin(5))
bmp = BMP280(i2c)

# Bodenluftdruck kalibrieren (Offset)
p0 = bmp.pressure
print(f"Bodenluftdruck: {p0} hPa")

# Hauptschleife
recording = False
data = []

while True:
    if rp2.bootsel_button() == 1:  # BOOTSEL gedrückt
        recording = not recording
        time.sleep(0.5)

    if recording:
        p = bmp.pressure
        t = bmp.temperature
        # Höhe berechnen (barometrische Formel)
        h = 44330 * (1 - (p / p0) ** (1/5.255))
        data.append((time.ticks_ms(), h, p, t))
        time.sleep(0.1)  # 10 Messungen/Sekunde

Messvarianten

Variante 0 — Hand-Experiment (Pflicht)

Auto fahren, Hand flach vs. aufgestellt bei ~50 km/h

🤲 Kinästhetisch Vor jeder Formel

Variante 1 — Beide Raketen, gleicher Motor (Kern)

Rakete 1 (spitz) + Motor B → h₁ | Rakete 2 (bulbös) + Motor B → h₂

📐 Analytisch Cd Vergleich
Hinweis: Masse ist unterschiedlich — wird notiert und berücksichtigt. Masse als Confounder-Variable thematisieren.

Variante 2 — Gleiche Masse, nur Form (Extension)

Ballast hinzufügen bis m₁ = m₂ → sauberer Cd-Vergleich

🔬 Kontrollvariable Optional

Variante 3 — Verschiedene Motoren, gleiche Rakete (Kern)

Rakete 1 mit Motor A, B, C, D → Schukkurven-Validierung

📈 Grafisch

Variante 4 — Mehrfachmessungen (Extension)

Jede Konfiguration 3× fliegen, Mittelwert berechnen

📊 Statistisch Bonus

Fallback-Plan

🧮 Künstliche Messdaten generieren — Vollständige Anleitung

Falls der Flugdatenschreiber nicht funktioniert, können wir realistische synthetische Messdaten berechnen. Der Schüler merkt keinen Unterschied im Lernprozess — die Analyse ist identisch.

Annahmen für synthetische Daten:

ParameterRakete 1 (spitz)Rakete 2 (bulbös)
Cd (Luftwiderstand)0.250.45
Masse80g120g
Durchmesser32mm40mm
MotorB6B6
Luftdruck p₀1013 hPa1013 hPa
Temperatur15°C15°C
Wind0 m/s0 m/s

So generiert man die Daten:

Die interaktive Simulations-App (separate JSX-Datei) berechnet bereits alle Werte. Einfach die Parameter eingeben und die h-Werte aus der Tabelle ablesen. Diese Werte überträgt der Schüler dann in Arbeitsblatt 6 als wären es echte Messdaten.

Pädagogischer Wert trotz künstlicher Daten:

  • Der Schüler übt denselben Analyse-Prozess
  • Er sieht den Cd-Unterschied zwischen den Raketen klar in den Zahlen
  • Die Diskussion "warum weichen Theorie und Messung ab?" funktioniert genauso
  • Bonus: Man kann Diskutieren "Was wäre wenn Cd = 0?" und die perfekte Welt mit der Realität vergleichen
🌍 Offene Fragen — Was wir nicht messen und warum das okay ist

Echte Wissenschaft kennt immer offene Fragen. Es ist pädagogisch wertvoll wenn der Schüler sieht dass unser Modell vereinfacht ist — und dass diese Vereinfachungen bewusst gewählt wurden.

Variable: Luftdichte ρ(T, p)

Unser BMP280 misst sowohl Temperatur als auch Druck. Die Luftdichte berechnet sich als: ρ = p / (287.05 × T)

An einem heißen Tag (35°C, 1013 hPa): ρ = 1.145 kg/m³
An einem kalten Tag (0°C, 1013 hPa): ρ = 1.292 kg/m³

Das ist ein Unterschied von ~13% — und damit ändert sich auch der Luftwiderstand um ~13%. Für eine genauere Analyse könnte der Schüler diesen Effekt einbauen. Das wäre ein echter Beitrag zur Messgenauigkeit.

Variable: Rotierende Rakete

Echte Modellraketen rotieren oft um ihre Längsachse (durch leicht schräge Flossen). Das ändert die effektive Aerodynamik. Für unser Modell ignorieren wir das.

Variable: Motorvariabilität

Selbst Motoren aus derselben Produktionscharge variieren um ±5%. Bei drei Flügen mit B6-Motoren könnte der Schüler Mittelwert und Streuung der Flughöhen berechnen — das ist Statistik, die auch in Klasse 6 relevant ist.

Was der Schüler als Fazit sagen soll:

"Unser Modell ist eine Vereinfachung der Realität. Es erklärt den größten Teil der Messdifferenz, aber nicht alles. Die wichtigsten offenen Fragen sind... Das würde man weiter untersuchen indem..."

Das ist eine exzellente wissenschaftliche Abschlussaussage für ein Sechstklässler-Projekt.

Szenario 1: Flugdatenschreiber funktioniert nicht

Lösung: Künstliche Messdaten generieren

Wir berechnen synthetische h-Werte mit angenommenen Cd-Werten und festen Bedingungen:

  • Rakete 1 (spitz): Cd = 0.25
  • Rakete 2 (bulbös): Cd = 0.45
  • Bedingungen: p₀ = 1013 hPa, T = 15°C, Wind = 0

Der Schüler analysiert diese wie echte Daten — der Lernprozess ist identisch.

Szenario 2: Zu wenig Zeit

Wochen 7–8 können gekürzt werden. Minimum sind Wochen 1–6 (Theorie + Berechnungen).

Präsentation mit theoretischen Werten ist trotzdem vollwertig.

Szenario 3: Rakete 3 nicht fertig

2 Raketen reichen vollständig für das Projekt. Rakete 3 ist explizit optional.

Bonus-Aufgabe: Motor-Gewicht messen ⭐⭐⭐

Wenn alles andere fertig ist:

  • Motor vor Flug wiegen: g
  • Motor nach Flug wiegen: g
  • Treibstoff-Masse = g

Das zeigt: Die Rakete wird während des Flugs leichter! Genau wie Saturn V Stufen — abwerfen wenn leer.

Kannst du die theoretische Flughöhe mit der sich ändernden Masse neu berechnen?

Offene Fragen (Ausblick für später)

VariableEinflussWarum ignorieren wir sie?
LuftfeuchteÄndert Luftdichte minimalEffekt < 1%, zu komplex
AbschusswinkelNicht exakt vertikal → h kleinerSchwer zu messen
Motor-VariabilitätGleiche Charge ±5%Statistisch — Mehrfachmessung nötig
Cd bei verschiedenen GeschwindigkeitenCd ändert sich leichtStrömungslehre — Klasse 11+
Treibstoff-MassenänderungRakete wird leichterBonus-Aufgabe oben
Luftdichte ρ(T,p)Ändert DragBMP280 misst beides — Ausblick

Ausblick Hardware: eigene Platine und SMD-Fertigung

Der fliegende Aufbau mit Steckkabeln ist erst der Anfang. Die nächste Stufe ist ein eigenes Trägerboard für den Pico: Schaltplan und Platinenlayout werden in KiCad entworfen, die Platine gefertigt und die Bauteile im SMD-Verfahren (Lotpaste, Bestückung, Reflow) selbst aufgebracht. So wird aus dem Experimentieraufbau ein robustes, leichtes Flugmodul — und der Schüler erlebt den Weg von der Idee über die Zeichnung bis zum fertigen Elektronikprodukt.

Lehrerhinweis zu offenen Fragen: Es ist pädagogisch wertvoll wenn der Schüler sieht dass echte Wissenschaft immer offene Fragen hat. "Wir haben das nicht gemessen, aber wir wissen dass es einen Einfluss hat" ist eine reife wissenschaftliche Aussage.

Lehrplan-Bezug & Vorausblick

🎯 Verbindung zum aktuellen Klasse-6-Stoff — Detailliert

Verhältnisse und Proportionen (aktuelles Thema):

Der Schüler lernt gerade Verhältnisse — z.B. 1:2 oder 3:4. Im Projekt tauchen Verhältnisse überall auf:

  • Maßstab 1:500 (Zeichnung vs. Original)
  • Motorvergleich A:B:C:D (Impuls-Verhältnisse)
  • Höhenvergleich Rakete 1 zu Rakete 2
  • Verhältnis von gemessener zu theoretischer Höhe

Das sind echte Anwendungen des Schulstoffs — nicht konstruierte Übungsaufgaben.

Flächen berechnen:

  • Kreisfläche der Stirnfläche (A = π × r²)
  • Fläche unter der Schukkurve (Rechtecke und Trapeze)
  • Querschnittsfläche verschiedener Raketen (Vergleich)

Diagramme lesen und zeichnen:

  • Schukkurve lesen (thrustcurve.org)
  • Höhe-Zeit-Diagramm aus Messdaten zeichnen
  • Theorie vs. Messung im selben Diagramm
🔭 Ausblick: Wie dieses Projekt spätere Schuljahre vorbereitet

Dieses Projekt legt bewusst Grundsteine für Konzepte die der Schüler in späteren Jahren formal lernen wird. Wenn er dann auf diese Themen trifft, wird er sich erinnern — und das Neue hat sofort Verbindung zu Bekanntem.

Klasse 7/8 — Lineare Funktionen:

In der Gleitphase hat die Rakete konstante Beschleunigung (nur Schwerkraft). Die Geschwindigkeit ändert sich linear: v(t) = v₀ − g×t. Das ist eine lineare Funktion — der Schüler hat die Werte schon in seiner Tabelle gesehen.

Klasse 9/10 — Quadratische Funktionen:

Die Höhe in der Gleitphase folgt einer Parabel: h(t) = h₀ + v₀×t − ½×g×t². Das ist genau die Wurfparabel die der Schüler schon mit Werten kennt.

Klasse 10/11 — Integralrechnung:

Die Fläche unter der Schukkurve die der Schüler gezählt hat, ist das Integral von F(t) über die Brennzeit. Das Integral von a(t) ergibt v(t), das Integral von v(t) ergibt h(t). Der Schüler hat das alles schon gemacht — nur diskret und mit Tabellen statt formal.

Physik Klasse 9+ — Impuls und Energie:

Impuls = m × v (kennt der Schüler aus dem Projekt), Impulserhaltung, kinetische und potentielle Energie — alles Konzepte die direkt an die Modellraketenrechnung anschließen.

Physik Klasse 11+ — Strömungslehre:

Reynolds-Zahl, laminare vs. turbulente Strömung, Grenzschichttheorie — das sind die formalen Werkzeuge für das was der Schüler als "Luftwiderstand hängt von Form und Geschwindigkeit ab" erlebt hat.

Fazit: Dieses Projekt ist nicht nur Mathe für Klasse 6. Es ist ein Vorgeschmack auf fast ein Jahrzehnt späterer Schulinhalte.

Aktueller Lehrplan Klasse 6

ThemaWo im ProjektArbeitsblatt
Maßstäbe & VerhältnisseSaturn V zeichnen, Rakete hochrechnenAB 1, AB 2
Flächen berechnen (Kreis)Stirnfläche A = π × r²AB 2
Grundrechenarten & EinheitenAlle BerechnungenAB 3–6
Diagramme zeichnen & lesenSchukkurve, FlugdiagrammAB 4, AB 6
Verhältnisse & ProportionenMaßstab, Motor-VergleichAB 1, AB 2

Vorausblick auf spätere Jahrgänge

KlasseThemaVerbindung zum Projekt
7/8Lineare FunktionenGeschwindigkeit als Steigung im v-t-Diagramm
9/10Quadratische FunktionenWurfparabel — Flugbahn der Rakete
10/11Integralrechnung"Die Fläche unter der Schukkurve die du heute gezählt hast"
Physik 9+Kräfte & ImpulsF=ma, Impulserhaltung — alles schon bekannt
Physik 11+StrömungslehreCd, Luftdichte ρ(T,p), Reynolds-Zahl

Scaffolding der Abstraktionen

StufeKonzeptWie eingeführt
1 — KonkretHöhe, Masse, ZeitMessen, wiegen, stoppen
2 — VisuellFläche unter KurveRechtecke zählen auf Papier
3 — BenennungΔv, Impuls, BeschleunigungNach visueller Intuition
4 — FormelF=ma, F_drag, CdErst wenn Konzept sitzt
5 — OptionalLuftdichte ρ(T,p)BMP280-Daten als Motivation
6 — AusblickIntegralrechnung"Das lernt ihr in Klasse 10/11"