MODELLRAKETEN-PROJEKT · KLASSE 6 · NRW GYMNASIUM
Mathematik & Modellraketen
Ergänzendes Lernprojekt für einen mathematisch besonders leistungsstarken Schüler
Anlass und Zielsetzung
Der Schüler besucht die 6. Klasse eines Gymnasiums in NRW (G9) und hat den regulären Mathematikunterricht des laufenden Vierteljahrs inhaltlich bereits vollständig durchdrungen. Um ihn weder zu unterfordern noch aus dem Klassenverband herauszunehmen, erhält er ein individuelles Ersatzprojekt das denselben Lehrplan-Stoff in einem authentischen, anspruchsvollen Anwendungskontext einbettet.
Das Projekt verbindet den aktuellen Mathematik-Lehrplan der Klasse 6 mit Elementen aus Physik, Technik und Geschichte — alles verankert am gemeinsamen Thema Modellraketen und Raumfahrt. Der rote Faden durch das gesamte Projekt ist die aktuelle Artemis-Mission der NASA, die als realer Kontext für alle mathematischen Inhalte dient.
Das Projekt läuft über ca. ein Vierteljahr (9 Unterrichtswochen, je 4×45 min in der Schule). Die praktischen Messflüge mit selbst gebautem Flugdatenschreiber werden parallel zuhause vom Schüler und Kai durchgeführt und fließen als Datenmaterial in den Schulunterricht ein.
Bezug zum NRW-Kernlehrplan Mathematik Klasse 6 (G9)
Grundlage: Kernlehrplan Mathematik NRW Gymnasium G9, gültig ab Schuljahr 2022/23 (MSB NRW, Juni 2022)
Das Projekt deckt folgende verbindliche Inhaltsfelder und Kompetenzerwartungen des Kernlehrplans ab:
① Flächeninhalte und Geometrie
Lehrplan-Bezug: Inhaltsfeld "Flächen und Körper" — Berechnung von Flächeninhalten ebener Figuren (Parallelogramm, Dreieck, Trapez, Kreis)
Im Projekt: Der Schüler berechnet die Stirnfläche seiner Raketen (A = π × r²) auf zwei Wegen — durch Zählen von Quadraten auf Millimeterpapier und durch die Kreisformel. Der Vergleich beider Methoden schärft das Verständnis von Näherungswerten und exakter Berechnung. Zusätzlich zeichnet er die Saturn V Rakete maßstabsgetreu auf Millimeterpapier und berechnet dabei Querschnittsflächen verschiedener Stufen.
Kompetenzerwartung (KLP): "Die SuS bestimmen Näherungswerte für Flächeninhalte in Sachsituationen, indem sie eine Modellierung mithilfe geeigneter Figuren durchführen; ihr gewähltes Modell reflektieren sie kritisch."
② Maßstäbe und Verhältnisse
Lehrplan-Bezug: Inhaltsfeld "Rationale Zahlen und Proportionalität" — Verhältnisse, Maßstäbe, proportionale Zuordnungen
Im Projekt: Der Schüler arbeitet mit Maßstäben auf zwei Ebenen. Erstens skaliert er die Saturn V (111m) und das Starship-System auf Zeichengröße herunter (Maßstab 1:500 → 22cm auf Papier) und begründet die Wahl des Maßstabs. Zweitens rechnet er seine eigene Modellrakete (40cm) auf Saturn V-Größe hoch und vergleicht die Proportionen. Verhältnisse tauchen außerdem beim Motorvergleich auf: "Motor C liefert doppelten Gesamtimpuls wie Motor B — wie verhält sich das zur Flughöhe?"
Kompetenzerwartung (KLP): "Die SuS rechnen mit Maßstäben und wenden Verhältnisse in geometrischen und sachbezogenen Kontexten an."
③ Diagramme lesen, zeichnen und interpretieren
Lehrplan-Bezug: Inhaltsfeld "Daten und Zufall" sowie prozessbezogene Kompetenz "Darstellen" — Lesen und Erstellen von Diagrammen, Tabellen und Graphen
Im Projekt: Der Schüler liest die Schubkurven der KLAMA-Motoren aus einem Diagramm ab, zeichnet selbst ein Höhe-Zeit-Diagramm aus seinen Messdaten und trägt darin sowohl die theoretische als auch die gemessene Flughöhe ein. Der visuelle Vergleich beider Kurven motiviert die Frage nach dem Luftwiderstand. Das Ausfüllen von Tabellen (diskrete Flugsimulation) trainiert systematisches Vorgehen und Tabellenlesekompetenz.
Kompetenzerwartung (KLP): "Die SuS lesen Informationen aus Tabellen und Diagrammen ab, stellen Daten in geeigneten Diagrammen dar und interpretieren diese im sachlichen Kontext."
④ Grundrechenarten, Einheiten und Größen
Lehrplan-Bezug: Inhaltsfeld "Arithmetik/Algebra" — Grundrechenarten in Sachkontexten, Einheitenrechnung, Größen schätzen und messen
Im Projekt: Alle Berechnungen im Projekt — Flughöhe, Beschleunigung, Impulse, Verhältnisse — verwenden ausschließlich Grundrechenarten. Einheitenumrechnungen (m ↔ cm ↔ mm, g ↔ kg, N·s ↔ m/s) sind durchgehend präsent. Das Wiegen der Raketen und das Messen mit der Schieblehre trainiert den sinnvollen Umgang mit Messwerten und Genauigkeit.
Kompetenzerwartung (KLP): "Die SuS führen Grundrechenoperationen mit rationalen Zahlen durch und nutzen diese in Sachsituationen sinnvoll; sie rechnen mit Größen und Einheiten in realitätsnahen Kontexten."
⑤ Modellieren und Problemlösen (prozessbezogene Kompetenzen)
Lehrplan-Bezug: Prozessbezogene Kompetenzen "Modellieren", "Problemlösen", "Argumentieren" und "Kommunizieren"
Im Projekt: Das gesamte Projekt ist ein durchgehender Modellierungskreislauf: reale Situation (Raketenflug) → mathematisches Modell (Flugsimulation) → Ergebnis (theoretische Höhe) → Vergleich mit Realität (Messdaten) → Reflexion des Modells (Warum weichen die Werte ab?). Der Schüler argumentiert über Messungenauigkeiten, Luftwiderstand und Motorverhalten — und kommuniziert seine Ergebnisse in der Abschlusspräsentation.
Kompetenzerwartung (KLP): "Die SuS übersetzen reale Situationen in mathematische Modelle, lösen diese und reflektieren das Ergebnis im Sachkontext kritisch."
Gesamtlernziele des Projekts
Am Ende des Projekts hat der Schüler folgende Kompetenzen erworben bzw. vertieft:
Mathematische Kernkompetenzen
- Maßstäbe berechnen und bidirektional anwenden (Verkleinern und Vergrößern)
- Verhältnisse aufstellen und interpretieren
- Kreisfläche berechnen (A = π × r²) und mit Näherungswerten vergleichen
- Flächen unter Kurven durch Rechtecke und Trapeze annähern
- Tabellen systematisch ausfüllen und auswerten
- Höhe-Zeit-Diagramme zeichnen und interpretieren
- Differenzen und Verhältnisse im Sachkontext interpretieren
Wissenschaftliche Arbeitsmethoden
- Wissenschaftliche Hypothesen formulieren ("Die Rakete sollte X Meter fliegen, weil...")
- Messungen planen und durchführen (Kalibrierung, Referenzwerte)
- Theorie mit Messung vergleichen und Abweichungen erklären
- Messfehler und Modellgrenzen benennen
- Ergebnisse strukturiert präsentieren
Vorausschauende Lernziele
(Nicht explizit gelehrt, aber erlebt und vorbereitet)
- Intuition für Integralrechnung (Fläche = Summe, Klasse 10/11)
- Lineare Funktionen (Geschwindigkeit in der Gleitphase, Klasse 7/8)
- Physik: Kraft, Impuls, Energie (Klasse 9+)
- Strömungslehre und Widerstandsbeiwerte (Klasse 11+)
- Grundlagen des wissenschaftlichen Arbeitens
Überfachliche Kompetenzen
- Selbstständiges Arbeiten mit strukturierten Unterlagen
- Partizipation an einem echten technischen Projekt
- Verständnis für Fehlerkultur ("Messungen sind nie perfekt")
- Vernetztes Denken über Fächergrenzen hinaus
- Grundkenntnisse in Mikrocontroller-Programmierung (MicroPython)
Hinweise für die Lehrerin
Zur Nutzung dieses Dokuments
- Die aufklappbaren Abschnitte (▶) enthalten Hintergrundinformationen, Teacher Notes und didaktische Erläuterungen — für die Lehrerin gedacht, nicht für den Schüler
- Die Arbeitsblätter (AB 1–6) sind selbsterklärend gestaltet: Der Schüler kann sie in den Freistunden eigenständig durcharbeiten, ohne ständige Betreuung
- Jede Woche hat einen Kern (Pflichtinhalt) und optionale Extensions für den Fall dass der Schüler schneller ist als geplant
- Die Messdaten kommen von zuhause (gesammelt von Kai) — in der Schule wertet der Schüler nur aus. Bei technischen Problemen gibt es einen vollständigen Fallback-Plan mit synthetischen Daten
- Der genaue Startzeitpunkt und Umfang sollte gemeinsam mit der Lehrerin abgestimmt werden — dieses Dokument ist die Gesprächsgrundlage dafür
Pädagogischer Ansatz
Das Projekt folgt dem Prinzip "Konkret vor abstrakt": Jede mathematische Formel oder Abstraktion wird erst als konkretes, sichtbares Phänomen erlebt (Hand-Experiment, Zeichnung auf Millimeterpapier, Schubkurve ablesen), bevor sie formal eingeführt wird. Das entspricht dem konstruktivistischen Lernprinzip, das auch dem NRW-Kernlehrplan zugrunde liegt: "Mathematik soll nicht als fertiges System, sondern als lebendiger Prozess des Entdeckens und Begründens erfahren werden."
Der Schüler partizipiert am Bau und Betrieb des Flugdatenschreibers — er führt nicht alles allein durch. Das ist didaktisch bewusst so gewählt: Echte technische Projekte sind Teamarbeit, und das Beobachten, Mitdenken und selektive Mitmachen ist wertvoller als eine vereinfachte Simulation allein.
Schnellübersicht — 9-Wochen-Plan
| Woche | Thema | Lehrplan-Bezug | Zuhause (parallel) |
|---|---|---|---|
| 1–2 | Geschichte der Raumfahrt, Saturn V, Maßstäbe, Verhältnisse, Rakete zeichnen | Maßstäbe, Verhältnisse, Flächeninhalte (Kreis) | Rakete vermessen (Hausaufgabe AB 2) |
| 3–4 | Warum fliegt eine Rakete? Actio/Reactio, Kraft & Masse, Barometer-Theorie | Grundrechenarten, Einheiten (N, kg, m/s²) | Pico + BMP280 zusammenbauen, ersten Code schreiben |
| 5–6 | Schubkurven lesen, Fläche unter Kurve, diskrete Flugsimulation, Tabellen | Flächen (Rechteck, Trapez), Diagramme, Tabellen | Testflüge, Datenschreiber testen |
| 7–8 | Messdaten auswerten, Theorie vs. Praxis, Luftwiderstand, Rakete 1 vs. 2 | Diagramme, Verhältnisse, Differenzen, Modellierung | Echte Flüge, Daten für Schule aufbereiten |
| 9 | Präsentation: Modelle, Diagramme, Erkenntnisse, offene Fragen | Kommunizieren, Argumentieren (prozessbezogen) | — |
📐 Faustformeln für Modellraketen
Diese Grundregeln gelten für alle Raketen — von der Saturn V bis zur 40cm Modellrakete. Sie sind der erste Schritt um zu verstehen ob eine Rakete überhaupt fliegen kann und wie hoch sie theoretisch kommt.
① Schub-zu-Gewicht-Verhältnis (Thrust-to-Weight Ratio)
Das wichtigste Kriterium: Hat der Motor genug Kraft um die Rakete überhaupt von der Startrampe zu heben?
TWR = Schubkraft [N] ÷ Gewichtskraft [N]
= F_motor ÷ (m × g)
| TWR | Bedeutung | Praxis |
|---|---|---|
| < 3 | Zu schwach — Rakete hebt kaum ab | Gefährlich, instabiler Start |
| 3–5 | Minimum — langsamer, träger Start | Akzeptabel aber nicht empfohlen |
| 5–10 | Gut — zügiger, stabiler Start | Empfohlen für Modellraketen |
| > 10 | Sehr gut — schnelle Beschleunigung | Optimal für hohe Flughöhen |
Masse: 80g = 0.08 kg → Gewichtskraft = 0.08 × 9.81 = 0.785 N
Max. Schub B4: 15 N
TWR = 15 ÷ 0.785 = 19.1 ✓ Sehr gut!
② Impuls-zu-Masse-Verhältnis (Specific Impulse vereinfacht)
Wie viel Gesamtimpuls steckt im Motor verglichen mit der Rakettenmasse? Das bestimmt die erreichbare Maximalgeschwindigkeit (ohne Luftwiderstand und Gravitation):
v_max ≈ I_gesamt [N·s] ÷ m [kg]
I_gesamt = 2.5 N·s, m = 0.08 kg
v_max ≈ 2.5 ÷ 0.08 = 31.25 m/s ≈ 112 km/h (ohne Verluste)
Mit Gravitation und Drag realistisch: ~20–25 m/s
| Motor | Impuls (N·s) | v_max bei 80g (m/s) | v_max bei 120g (m/s) |
|---|---|---|---|
| A6 | 1.25 | 15.6 | 10.4 |
| B4 | 2.5 | 31.3 | 20.8 |
| C6 | 5.0 | 62.5 | 41.7 |
| D9 | 10.0 | 125.0 | 83.3 |
③ Theoretische Maximalhöhe (vereinfacht)
Grobe Faustformel für die Maximalhöhe ohne Luftwiderstand:
h_max ≈ v_max² ÷ (2 × g)
≈ (I_gesamt ÷ m)² ÷ (2 × 9.81)
v_max ≈ 31.25 m/s
h_max ≈ 31.25² ÷ (2 × 9.81) = 976.6 ÷ 19.62 = ~50m (ohne Drag)
Mit Drag (Cd ≈ 0.3): realistisch ~35–42m
④ Stabilitätsregel (Kaliber-Regel)
Eine Rakete ist stabil wenn sie geradeaus fliegt und nicht taumelt. Die einfache Regel:
Stabilitätsabstand = Abstand(Druckpunkt − Schwerpunkt) ≥ 1 Kaliber Kaliber = Maximaler Raketen-Durchmesser
| Stabilitätsabstand | Bedeutung |
|---|---|
| < 1 Kaliber | Instabil — Rakete taumelt und kippt |
| 1–2 Kaliber | Stabil — empfohlener Bereich |
| > 3 Kaliber | Überstabil — Rakete folgt Wind zu stark |
⑤ Schnellübersicht: Optimale Motorwahl
| Bedingung | Regel |
|---|---|
| Mindest-TWR für sicheren Start | TWR ≥ 5 |
| Optimaler TWR | TWR = 10–15 |
| Motor zu groß? | Wenn TWR > 20 → Rakete wird zu schnell, instabiler |
| Motor zu klein? | Wenn TWR < 3 → Rakete hebt kaum ab, sehr niedrige Bahn |
| Höhe verdoppeln | Impuls × 4 (nicht × 2!) wegen quadratischer Abhängigkeit |
| Masse halbieren | Höhe × ~4 (bei gleichem Motor) |
Mindest-Schub = 5 × 0.08 × 9.81 = 3.92 N
→ Motor A6 (max. 8N) ✓ · Motor B4 (max. 15N) ✓ · Motor C6 (max. 22N) ✓
⑥ Schwerpunkt & Druckpunkt — Optimale Balance
Eine Rakete fliegt nur dann geradeaus wenn zwei kritische Punkte in der richtigen Reihenfolge liegen:
| Punkt | Was ist das? | Wie finden? |
|---|---|---|
| SP — Schwerpunkt | Wo die gesamte Masse der Rakete konzentriert ist | Rakete auf einem Finger balancieren — wo sie waagerecht liegt |
| DP — Druckpunkt | Wo die Luftkraft (Widerstand) angreift — bestimmt durch Flossen und Nasenform | Silhouette der Rakete ausschneiden, wo sie waagerecht balanciert |
Warum muss SP vor DP liegen?
Wenn Wind die Rakete seitlich trifft, entsteht am DP eine Kraft. Liegt DP hinter SP, dreht diese Kraft die Nase wieder in den Wind — wie ein Pfeil mit Federn hinten. Liegt SP hinter DP, kippt die Rakete um.
Windkraft dreht Nase zurück
→ Rakete fliegt geradeaus
Windkraft dreht Nase weg
→ Rakete kippt, überschlägt sich
🔄 Der Swing-Test — einfachste Stabilitätsprüfung
Faden am Schwerpunkt befestigen, Rakete im Kreis schwingen:
- Nase zeigt immer nach vorne → stabil ✓
- Rakete dreht quer oder Heck voran → instabil ✗
Wie korrigiert man?
| Problem | Ursache | Lösung |
|---|---|---|
| SP zu weit hinten | Heck zu schwer | Gewicht in die Nasenspitze (Knete, Münzen) |
| DP zu weit vorne | Flossen zu klein oder zu weit vorne | Flossen vergrößern oder nach hinten |
| Überstabil (>3 Kaliber) | Flossen zu groß | Flossen verkleinern — sonst folgt Rakete dem Wind |
🏆 Motivation & Challenges
Dieses Projekt ist kein Lernprogramm — es ist eine echte Optimierungsaufgabe. Der Schüler hat Raketen, echte Motoren und echte Messdaten. Die Frage ist: Wie hoch kann die Rakete fliegen? Und: Was kann er tun um sie höher zu bringen?
🔭 Einstieg: Research Task — Artemis & Saturn V
Bevor der Schüler seine eigene Rakete analysiert, recherchiert er die echten großen Raketen. Das gibt ihm den Kontext um später zu verstehen: "Die gleichen physikalischen Prinzipien gelten für Saturn V und meine 40cm Rakete — nur in anderen Größenordnungen."
Rechercheaufgabe (Woche 1):
Der Schüler sucht für Saturn V und Artemis SLS folgende Werte und trägt sie in eine Tabelle ein:
| Eigenschaft | Saturn V | Artemis SLS | die Modellrakete |
|---|---|---|---|
| Startmasse | 2.970.000 kg | ~2.600.000 kg | _____ g |
| Leermasse | ~130.000 kg | ~85.000 kg | _____ g (Motor leer) |
| Gesamtschub (Start) | 34.020.000 N | ~39.000.000 N | _____ N (Motor B4) |
| Maximale Flughöhe | ~380.000 km (Mond) | ~380.000 km (Mond) | _____ m |
| Anzahl Motoren | 5 × F-1 (Stufe 1) | 4 RS-25 + 2 Booster | 1 |
| Nasenform | Kegelförmig (Orion) | Kegelförmig (Orion) | _____ |
Fokus-Themen zum Recherchieren:
⚖️ Masse & Masseoptimierung
Warum ist Saturn V zu 90% Treibstoff? Was passiert wenn eine
Stufe abgetrennt wird? Wie verändert sich die Beschleunigung wenn die
Masse abnimmt?
💨 Luftwiderstand (Drag)
Wie wichtig ist die Nasenform bei echten Raketen? Warum haben
alle großen Raketen spitze oder konische Nasen? Was würde passieren wenn
Saturn V eine flache Nase hätte?
⚡ Energie & Impuls
Was ist der Unterschied zwischen Schubkraft (N) und Gesamtimpuls
(N·s)? Warum braucht man viel Impuls um in den Weltraum zu kommen?
🌍 Fluchtgeschwindigkeit
Was ist die Fluchtgeschwindigkeit der Erde (~11.2 km/s)? Wie
schnell fliegt die Modellrakete? Wie viel mal langsamer ist das?
Vergleichsaufgabe (Brücke zum Projekt):
1. Saturn V Startmasse: 2.970.000 kg = 2.970.000.000 g. die Modellrakete: 80g. Verhältnis = _____ : 1
2. Saturn V Schub: 34.020.000 N. der Motor B4: ~15 N. Verhältnis = _____ : 1
3. Saturn V Flughöhe: 380.000 km. die Modellrakete: ~40m. Verhältnis = _____ : 1
4. Fluchtgeschwindigkeit: 11.200 m/s. die Modellrakete: ~30 m/s. Verhältnis = _____ : 1
Was fällt dir auf? Warum ist das Schub-Verhältnis viel kleiner als das Höhen-Verhältnis?
🔭 Einstiegsaufgabe: Artemis & Saturn V Recherche
Bevor der Schüler seine eigenen Raketen analysiert, recherchiert er die echten Raketen der NASA. Das gibt ihm den Kontext um später zu verstehen: "Die gleichen physikalischen Prinzipien die Saturn V zum Mond brachten, gelten auch für meine 40cm Rakete."
Recherche-Aufgaben:
| Thema | Frage | Wo suchen? | Bezug zu die Modellrakete |
|---|---|---|---|
| Masse | Wie schwer ist Saturn V beim Start? Wie schwer ist die Nutzlast die zum Mond flog? | NASA.gov, Wikipedia | Saturn V: 2.970.000 kg vs. die Modellrakete: ___g → Verhältnis? |
| Schubkraft | Wie viel Newton Schub liefern die 5 F-1 Motoren zusammen? | NASA technical reports | Saturn V Schub: ~34 Millionen N vs. Der Schüler Motor B4: 15N → Verhältnis? |
| Luftwiderstand / Drag | Welche Nasenform hat Saturn V? Warum? Was ist der Unterschied zu einer stumpfen Nase? | Bilder von Saturn V, rocketdynamics.com | die Modellrakete 1 (spitz) vs. Rakete 2 (bulbös) — welche ist mehr wie Saturn V? |
| Impuls & Energie | Was ist Impuls? Warum braucht eine größere Rakete mehr Impuls? | Schulbuch, einfache Erklärung suchen | Impuls = Masse × Geschwindigkeit. der Motor: 5 N·s → welche Geschwindigkeit? |
| Fluchtgeschwindigkeit | Was ist die Fluchtgeschwindigkeit der Erde? Wie schnell muss eine Rakete sein um nicht zurückzufallen? | Wikipedia: Fluchtgeschwindigkeit | Erde: 11.2 km/s. die Modellrakete erreicht max. ~___m/s → wie weit weg? |
| Stufensystem | Warum hat Saturn V 3 Stufen? Was passiert wenn eine Stufe leer ist? | NASA Artemis-Mission Seite | die Modellrakete ist einstufig — Nachteil? |
Vergleichstabelle ausfüllen (Woche 1):
| Eigenschaft | Saturn V | Artemis SLS | die Modellrakete 1 | Verhältnis Saturn V : der Schüler |
|---|---|---|---|---|
| Gesamthöhe | 111 m | 98 m | cm | : 1 |
| Startmasse | 2.970.000 kg | 2.610.000 kg | g | : 1 |
| Max. Schubkraft | 34.020.000 N | 39.140.000 N | N | : 1 |
| Maximale Höhe | Mond: 384.000 km | Mond: 384.000 km | m | : 1 |
| Nasenform | Spitz (Ogive) | Spitz (Ogive) | — | |
| Anzahl Stufen | 3 | 2 | 1 | — |
✓ Diskussionsfragen nach der Recherche:
- Welche Rakete ist aerodynamischer — Saturn V oder die Modellrakete 2 (bulbös)? Warum?
- Warum ist die Fluchtgeschwindigkeit für die Modellrakete irrelevant?
- Wenn Saturn V 37 Millionen mal so schwer ist wie die Modellrakete — warum gelten trotzdem dieselben Formeln?
- Was würde passieren wenn Saturn V nur eine Stufe hätte?
🎯 Challenge 1: Den Höhenrekord aufstellen
Der Schüler startet mit einem theoretisch berechneten Höhenziel für jede Rakete/Motor-Kombination. Das ist seine Baseline. Ziel: Die gemessene Höhe soll so nah wie möglich an die theoretische Höhe herankommen — und dann versuchen sie zu übertreffen.
Rakete 1 + Motor B4 = _____ m (theoretisch)
h_gemessen = _____ m → Differenz: _____ m
Der Unterschied zwischen Theorie und Messung ist kein Fehler — er ist das Forschungsziel. Was erklärt die Differenz? Kann sie verkleinert werden?
⚖️ Challenge 2: Gewicht-Optimierung
Je leichter die Rakete, desto höher fliegt sie — bei gleichem Motor. Das ist direkte Physik: a = F/m. Weniger Masse → mehr Beschleunigung → mehr Höhe.
Was der Schüler erforscht:
- Rakete wiegen: Wo ist das Gewicht? (Körper, Nase, Flossen, Klebeverbindungen, Nutzlast)
- Welche Teile könnten leichter sein ohne die Stabilität zu gefährden?
- Theorie: "Wenn ich 10g spare, wie viel Meter mehr bekomme ich?"
Rakete aktuell: 85g → h_theo = 42m
Rakete optimiert: 75g → h_theo = ___m (Der Schüler berechnet das selbst!)
Effekt von 10g Gewichtsersparnis = ___m mehr Höhe
🔺 Challenge 3: Cd-Optimierung (Aerodynamik / Nasenform)
Je geringer der Luftwiderstand, desto höher die Rakete — bei gleicher Masse. Der Cd-Wert hängt hauptsächlich von der Form der Nase ab.
Verschiedene Nasenformen und ihr Cd:
| Nasenform | Cd (typisch) | Vorteil | Nachteil |
|---|---|---|---|
| 🔘 Halbkugel (bulbös) | ~0.45–0.5 | Einfach zu bauen | Hoher Widerstand |
| 🔷 Kegelförmig (konisch) | ~0.35–0.4 | Guter Kompromiss | Mittlerer Widerstand |
| ▲ Ogive (parabolisch) | ~0.25–0.3 | Aerodynamisch gut | Schwieriger zu bauen |
| 📍 Sehr spitz (schlank) | ~0.2–0.25 | Bester Widerstand | Strukturell fragiler |
Rakete mit Cd = 0.45 (bulbös) → h_gemessen = 38m
Gleiche Rakete mit Cd = 0.25 (spitz) → h_theo = ___m (Der Schüler berechnet!)
Effekt besserer Aerodynamik = ___m mehr Höhe
⚡ Challenge 4: Der Trade-off — Gewicht vs. Aerodynamik
Das ist die interessanteste Frage: Was bringt mehr — 10g Gewicht sparen, oder den Cd von 0.45 auf 0.30 senken?
Die Antwort ist nicht offensichtlich und hängt von den konkreten Zahlen ab. Der Schüler kann das mit seiner Berechnungstabelle direkt nachrechnen:
Masse: 85g → 75g (−10g)
Cd bleibt: 0.45
h_theo = ___m
Masse bleibt: 85g
Cd: 0.45 → 0.30
h_theo = ___m
Welche Option gewinnt? Das ist die Forschungsfrage — und die Antwort steht in seinen Daten!
🗺️ Forschungsfahrplan
| Challenge | Wann? | Was braucht der Schüler? | Erwartetes Ergebnis |
|---|---|---|---|
| 1: Höhenrekord Baseline | Woche 5–7 | h_theo berechnen, Messdaten | Differenz Theorie/Praxis |
| 2: Gewicht-Optimierung | Woche 6–7 | Waage, Berechnungstabelle | "10g spart X Meter" |
| 3: Cd-Optimierung | Woche 7–8 | Stirnfläche, Messdaten, Cd-Rückrechnung | "Spitze Nase = Y Meter mehr" |
| 4: Trade-off | Woche 8 | Alles oben kombiniert | "Was ist meine optimale Rakete?" |
MODELLRAKETEN-PROJEKT · KLASSE 6
Mathematik & Angewandte Physik
Schüler: 6. Klasse Gymnasium · Zeitrahmen: 1 Vierteljahr (9 Wochen, 4×45 min/Woche) · Betreuung: Kai + Fachlehrerin
Leitidee
Dieses Projekt folgt der wissenschaftlichen Methode als Lernstruktur — nicht Formeln zuerst, sondern Fragen zuerst:
Frage → Berechnung → Messung → Vergleich → neue Frage → Hypothese testen
Alle Schritte sind bewusst im Bereich der Klasse-6-Mathematik gehalten — Flächen, Volumen, Maßstäbe, Verhältnisse, Grundrechenarten, Diagramme.
Schule (Theorie)
- Geschichte & Kontext (Artemis, Saturn V)
- Maßstäbe & Verhältnisse
- Physik-Grundlagen (Actio/Reactio)
- Schukkurven, Berechnungen
- Messdaten auswerten
- Präsentation
Zuhause (Praxis)
- Pico + BMP280 zusammenbauen
- MicroPython Code schreiben
- Testflüge durchführen
- Daten sammeln & weitergeben
- 3D-Halterung drucken (optional)
Material & Setup
die Modellraketen
| # | Form | Länge | Besonderheit | Cd (erwartet) |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Schlank, spitze Nase | ~40cm | Aerodynamisch, niedriger Widerstand | ~0.25 |
| 2 | Bulbös, runder Kopf | ~40cm | Kamerakopf, hoher Widerstand | ~0.45 |
| 3 | Groß, 4-motorig | viel größer | Optional — noch im Bau | — |
Motoren
| Typ | Gesamtimpuls (N·s) | Max. Schub (N) | Brennzeit (s) |
|---|---|---|---|
| A8 | 2.5 | 8.0 | 0.5 |
| B6 | 5.0 | 12.1 | 0.9 |
| C6 | 10.0 | 14.1 | 1.9 |
| D12 | 20.0 | 29.7 | 1.7 |
Datenquelle: thrustcurve.org · raketenmodellbau-klima.de
Flugdatenschreiber
| Komponente | Typ | Zweck | Preis ca. |
|---|---|---|---|
| Microcontroller | Raspberry Pi Pico | Steuerung & Datenlogging | ~5€ |
| Barometer | BMP280 (I2C) | Druck → Höhe | ~3€ |
| Batterien | 2× LR44 in Serie | Stromversorgung (3V) | ~2€ |
| Batteriehalter | 3D-gedruckt | Hält die LR44 im Flug | Filament |
| Start/Stop | BOOTSEL-Knopf (auf dem Pico) | Start/Stop Aufzeichnung | — |
| Display (optional) | OLED 128×64 I2C | Live-Anzeige | ~5€ |
Schaltung
Pico BMP280 3.3V → VCC GND → GND GP4 → SDA (I2C0) GP5 → SCL (I2C0) Start/Stop: BOOTSEL-Knopf auf dem Pico (rp2.bootsel_button(), keine Verdrahtung nötig) Pico 2× LR44 Knopfzellen VSYS → + (3V) GND → −
📖 Vollständige Projektnarrative — Warum dieses Projekt?
des Schülers regulärer Matheunterricht in Klasse 6 behandelt Themen wie Flächen, Volumen, Maßstäbe und Verhältnisse. Der Schüler beherrscht diese Inhalte bereits — der normale Unterricht bietet ihm zu wenig Herausforderung. Anstatt ihn mit Wiederholungen zu beschäftigen, bekommt er ein Ersatzprojekt das dieselben mathematischen Grundlagen verwendet, aber in einem echten, sinnvollen Kontext einbettet.
Der Kontext ist Modellraketen — der Schüler baut mit Kai echte Raketen, fliegt sie, und analysiert die Daten mathematisch. Das Projekt verbindet Schulmathematik mit Physik, Elektronik, Geschichte und wissenschaftlicher Methodik.
Der rote Faden durch das gesamte Projekt ist die Artemis-Mission der NASA. Angefangen mit der Geschichte der Raumfahrt und der Saturn V Rakete bis hin zu des Schülers eigenen Messdaten — alles hängt zusammen.
Warum funktioniert dieses Projekt pädagogisch?
- Konkret vor abstrakt: Der Schüler sieht, misst, und berechnet echte Dinge — keine Fantasiezahlen aus dem Lehrbuch
- Intrinsische Motivation: Raketen sind cool. Wenn Mathematik erklärt warum eine Rakete höher fliegt, ist Mathe plötzlich relevant
- Wissenschaftliche Methode als Struktur: Nicht "lerne diese Formel", sondern "stelle eine Frage, berechne eine Hypothese, miss die Realität, vergleiche"
- Mehrere Lerntypen: Kinästhetisch (Hand-Experiment, löten), visuell (Diagramme, Zeichnungen), analytisch (Berechnungen), sozial (Kai + Schule)
- Natürliche Differenzierung: Jede Aufgabe hat Kern + Extension. Der Schüler kann tief gehen ohne überfordert zu werden
🎓 Partizipations-Lernmodell — Was bedeutet "Der Schüler macht mit"?
Ein wichtiger Grundsatz dieses Projekts: Der Schüler partizipiert — er ist dabei wenn echte Arbeit passiert, aber er führt nicht alles allein durch. Das ist kein Mangel, sondern eine bewusste pädagogische Entscheidung.
Echte Projekte in der Wissenschaft und Technik sind immer Teamarbeit. Ein Sechstklässler der beim Löten zuschaut, Messwerte abliest, Daten überträgt und Ergebnisse interpretiert — lernt mehr über den echten Prozess als jemand der alleine eine vereinfachte Simulation durchführt.
Konkrete Rollen im Projekt:
- Löten: Kai lötet, der Schüler hält Teile, beobachtet, stellt Fragen — "Was passiert wenn ich das falsch anschließe?"
- Programmieren: Kai erklärt das Gerüst, der Schüler tippt die Kernlogik (Sensor auslesen, Höhe berechnen)
- Flüge: Der Schüler stellt die Rakete auf, startet die Aufzeichnung, zählt den Countdown
- Daten: Der Schüler liest die CSV-Datei aus, überträgt die h-Werte in seine Schularbeit
- Analyse: Der Schüler rechnet und zeichnet, Kai ist bei Fragen ansprechbar
In der Schule arbeitet der Schüler dann eigenständig mit den Daten und Arbeitsblättern. Die Lehrerin gibt Kontext und beantwortet Fragen — aber der Schüler kann die Arbeitsblätter selbst durcharbeiten.
🧠 Lerntypen im Projekt — Übersicht
| Lerntyp | Wo im Projekt | Konkrete Aktivität |
|---|---|---|
| 🤲 Kinästhetisch | Woche 3, parallel zuhause | Hand aus Autofenster, Raketen wiegen, löten, Aufzeichnung per Knopf starten |
| 👁 Visuell | Wochen 1-2, 5-6 | Saturn V auf Millimeterpapier, Schukkurve zeichnen, Diagramme |
| 📐 Analytisch | Wochen 5-8 | Berechnungen, Tabellen ausfüllen, Vergleiche |
| 🔬 Wissenschaftlich | Wochen 7-8 | Hypothese → Test → Validierung → offene Fragen |
| 💻 Praktisch-technisch | Parallel zuhause | Pico löten, BMP280, MicroPython, Daten auslesen |
| 📊 Statistisch | Extension | Mittelwert aus Mehrfachmessungen, Streuung |
| 🏛 Historisch-kulturell | Wochen 1-2 | Geschichte der Raumfahrt, Artemis-Kontext |
Kein Lerntyp dominiert — das Projekt spricht bewusst mehrere an. Das ist besonders wichtig für einen Schüler der im regulären Unterricht unterfordert ist: Neue Herausforderungen auf mehreren Ebenen gleichzeitig.
die Modellraketen — Fotos
Beide Raketen sind selbst gebaut — Kartonrohr, Pappflossen, Estes-Motor. Der Unterschied in der Nasenform ist gut sichtbar.
Rakete 1 (oben im Bild)
- Schlank, klassische Nasenform
- ~40cm Länge
- Erwarteter Cd: ~0.25 (aerodynamisch)
- Pappflossen, 1 Motor
Rakete 2 (unten im Bild)
- Bulböser Glaskopf (Kamerakopf)
- ~40cm Länge
- Erwarteter Cd: ~0.45 (mehr Widerstand)
- Pappflossen, 1 Motor
Deduktionskette — Roter Faden
SCHRITT 1 — FORWARD (Theorie, Schule) Motorwerte (NAR) + Masse der Rakete → theoretische Flughöhe h_theo berechnen ↓ SCHRITT 2 — MESSUNG (zuhause) Flugdatenschreiber → h_gemessen, p (Luftdruck), T (Temperatur) ↓ SCHRITT 3 — BACKWARD VALIDATION 1 (Schule) h_gemessen ≠ h_theo → Warum? Hypothese: Luftwiderstand bremst die Rakete → Stirnfläche A messen (Schieblehre + Schattenprojektion) → Cd zurückrechnen aus Gleitphase ↓ SCHRITT 4 — BACKWARD VALIDATION 2 (Extension) Motorschub zurückrechnen aus Beschleunigungsphase → Vergleich mit offizieller Schukkurve (thrustcurve.org) ↓ SCHRITT 5 — OFFENE FRAGEN (Ausblick) Luftdichte ρ hängt von p und T ab → Sensor misst beides — könnte ρ die Restdifferenz erklären? → Das ist Strömungslehre — für spätere Schuljahre
Wochen 1–2: Geschichte, Maßstab & Verhältnisse
Lernziele
- Maßstab als Verhältnis verstehen und anwenden
- Raketen-Proportionen auf Millimeterpapier übertragen
- Stirnfläche berechnen (Zählen + Formel)
- Verhältnisse: die Modellrakete vs. Saturn V
📚 Warum fangen wir mit Geschichte an?
Mathematik ohne Kontext ist abstrakt und unmotivierend. Indem wir mit der Geschichte der Raumfahrt beginnen, geben wir der Schüler eine emotionale und inhaltliche Verbindung zu den späteren Berechnungen.
Wenn der Schüler später die Flughöhe seiner Modellrakete berechnet, weiß er bereits: Die gleichen physikalischen Prinzipien brachten Menschen auf den Mond. Das gibt den Matheaufgaben eine ganz andere Bedeutung.
Die Artemis-Mission ist bewusst als roter Faden gewählt weil sie aktuell ist — sie läuft gerade. Der Schüler kann Neuigkeiten verfolgen, live Starts schauen, und sein Projekt fühlt sich wie ein Teil von etwas Größerem an.
📏 Maßstäbe — Warum ist das gute Mathematik für Klasse 6?
Maßstäbe sind direkt im Klasse-6-Lehrplan und werden oft als trockenes Thema unterrichtet ("1:50000 auf einer Karte"). Hier erleben sie der Schüler in einem viel spannenderen Kontext.
Die Kernfrage: "Wie groß wäre Saturn V als Modell auf meinem Tisch?" — Das ist dieselbe Mathematik wie Landkarten oder Baupläne, aber mit echter emotionaler Resonanz.
Was der Schüler dabei lernt:
- Maßstab als Verhältnis (1:500 = jeder Meter wird zu 2mm)
- Proportionen: Wenn die Länge ÷500, dann auch die Breite ÷500
- Umrechnen zwischen Einheiten (m → cm → mm)
- Bidirektionale Skalierung: Saturn V → Modell, aber auch Modell → wie groß wäre es als echte Rakete?
Verbindung zur Stirnfläche:
Wenn der Schüler die S-IVB Stirnfläche berechnet und dann mit seiner eigenen Rakete vergleicht, stellt er fest: "Meine Rakete ist viel schlanker als die oberste Saturn V Stufe — kein Wunder dass sie aerodynamischer ist!"
🖊 Zeichentechnik: Symmetrieachse und Millimeterpapier
Das Zeichnen auf Millimeterpapier ist keine Nebensache — es ist eine echte mathematische Tätigkeit. Der Schüler lernt:
- Koordinatensystem: Jeder Punkt hat eine Position (Höhe auf der y-Achse, Abstand von Mittellinie auf der x-Achse)
- Symmetrie: Raketen sind rotationssymmetrisch — linke Seite ist gespiegelt von rechter Seite
- Skalierung anwenden: Echte Maße × Maßstabsfaktor = Position auf Papier
- Kurven durch Punkte: Mehrere Punkte verbinden ergibt die Form — wie Funktionsgraphen in späteren Jahren
Die Schattenprojektion für die Stirnfläche ist ein besonders cleverer Trick: Rakete mit Taschenlampe auf Millimeterpapier projizieren, Umriss nachzeichnen, Fläche zählen. Das ist experimentelle Geometrie.
Methode: Fläche zählen vs. Formel
Der Schüler berechnet die Stirnfläche mit zwei Methoden:
- Zählen: Quadrate im Kreis zählen auf Millimeterpapier → anschaulich, direkt
- Formel: A = π × r² → schneller, genauer
Der Vergleich beider Ergebnisse ist pädagogisch wertvoll: "Die Formel gibt 1256mm², ich habe 1248 gezählt — Unterschied von 0.6%. Warum?" → Zählfehler, halbe Quadrate, Rundungen. Das ist Metrologie in der Praxis.
🚀 Warum hat die Saturn V Stufen? — Vollständige Erklärung
Das ist eine der faszinierendsten Fragen der Raketentechnik, und der Schüler kann sie mit Klasse-6-Mathematik vollständig verstehen.
Das Grundproblem:
Um in den Weltraum zu kommen, braucht eine Rakete enorme Mengen Treibstoff. Aber je mehr Treibstoff, desto schwerer die Rakete, desto mehr Treibstoff braucht man um den Treibstoff zu transportieren... Das ist ein sich selbst verstärkendes Problem.
Die Lösung: Stufen abwerfen
Wenn eine Stufe leer ist, ist sie nur noch nutzloses Gewicht. Indem man sie abwirft, wird die Rakete schlagartig viel leichter — und kann mit dem restlichen Treibstoff viel schneller beschleunigen.
Zahlen für Klasse 6:
- Saturn V beim Start: 2.970.000 kg (fast 3.000 Tonnen!)
- Davon ist Treibstoff: ~2.700.000 kg (90%!)
- Nach Brennschluss S-IC: ~700.000 kg (S-IC wurde abgeworfen)
- Apollo-Kapsel die zum Mond flog: nur ~28.800 kg
Die Rakete verliert also 99% ihres Startgewichts auf dem Weg zum Mond. Ohne Stufen wäre das nicht möglich — die Rakete müsste das Gewicht der leeren Tanks die ganze Zeit mitschleppen.
Verbindung zu die Modellraketen:
des Schülers Modellrakete hat keine Stufen — sie ist ein einstufiges System. Deshalb ist der Motor-Gesamtimpuls und die Startmasse direkt bestimmend für die Flughöhe. Das macht die Berechnung einfacher, bedeutet aber auch eine "ineffizientere" Rakete als Saturn V.
Als Bonus-Aufgabe kann der Schüler den Motor vor und nach dem Flug wiegen — die Differenz ist der Treibstoff. Er sieht dann dass auch seine kleine Rakete während des Flugs leichter wird!
Kontext: Warum Stufen?
Saturn V hat 3 Stufen — jede wird abgeworfen wenn der Treibstoff leer ist. Warum? Weil eine leere Stufe nur noch Gewicht ist! Je leichter die Rakete, desto höher fliegt sie.
Saturn V Dimensionen (für Zeichnung)
| Stufe / Punkt | Position (m) | Ø (m) | Halber Ø (m) | Anmerkung |
|---|---|---|---|---|
| S-IC Basis | 0 | 10.1 | 5.05 | Breiteste Stufe, 5× F-1 Motoren |
| S-IC Ende | 42 | 10.1 | 5.05 | Zylinder |
| Adapter: Einzug | 43 | 9.9 | 4.95 | ⬅ 0.2m Einzug — auf Papier sichtbarer Übergang |
| Adapter: Auslauf | 45 | 9.9 | 4.95 | |
| S-II Start | 45 | 9.9 | 4.95 | 2. Stufe, 5× J-2 Motoren |
| S-II Ende | 68 | 9.9 | 4.95 | Zylinder |
| Adapter: Einzug | 69 | 9.7 | 4.85 | ⬅ Konisch von 9.9m auf 6.6m — markantester Übergang! |
| Konus Mitte 1 | 70 | 8.8 | 4.40 | |
| Konus Mitte 2 | 71 | 7.7 | 3.85 | |
| Konus Ende | 72 | 6.6 | 3.30 | |
| S-IVB Start | 72 | 6.6 | 3.30 | 3. Stufe, 1× J-2 Motor |
| S-IVB Ende | 90 | 6.6 | 3.30 | Zylinder |
| Adapter: Einzug | 91 | 6.4 | 3.20 | ⬅ Konisch → Apollo-Kapsel |
| Konus Mitte 1 | 94 | 5.5 | 2.75 | |
| Konus Mitte 2 | 98 | 4.2 | 2.10 | |
| Konus Ende | 101 | 3.9 | 1.95 | |
| Apollo-Kapsel | 101 | 3.9 | 1.95 | Kommandomodul |
| Spitze (Escape Tower) | 111 | 0 | 0 | Spitze |
Halber Durchmesser = Abstand von der Mittellinie. Bei Ø 10.1m → je 5.05m nach links und rechts
Arbeitsblatt 1: Saturn V auf Millimeterpapier
Saturn V zeichnen — Schritt für Schritt
Du wirst heute die Saturn V Rakete maßstabsgetreu auf Millimeterpapier zeichnen. Dazu brauchst du: Millimeterpapier, Bleistift, Lineal, Zirkel.
Saturn V ist 111m hoch. Dein Papier hat Platz für etwa 22cm. Welcher Maßstab passt?
111m ÷ 500 = 0.222m = 22.2cm auf dem Papier ✓
Zeichne eine senkrechte Linie von unten nach oben in der Mitte deines Papiers. Das ist die Symmetrieachse.
Rechne jeden Wert aus der Tabelle um und trage ihn ein:
| Stufe | Höhe echt (m) | ÷ Maßstab | = Höhe auf Papier (cm) | Ø/2 auf Papier (cm) |
|---|---|---|---|---|
| S-IC Basis | 0m | ÷ 500 | 0cm | 1.01cm |
| Adapter S-IC/S-II | 42m | ÷ 500 | ||
| Adapter Ende | 44m | ÷ 500 | ||
| Adapter S-II/S-IVB | 68m | ÷ 500 | ||
| Konus Ende | 72m | ÷ 500 | ||
| S-IVB Ende | 90m | ÷ 500 | ||
| Spitze | 111m | ÷ 500 | 0cm |
Trage jeden Punkt auf der Mittellinie ein (Höhe), dann markiere rechts und links je den Radius. Verbinde alle Punkte mit einer Linie.
Zeichne einen Kreis mit Radius cm (= halber Durchmesser der S-IVB Stufe) auf dem Papier.
Dieser Kreis ist die Stirnfläche der obersten Stufe.
✓ Kontroll-Fragen
- Ist deine Zeichnung symmetrisch (links = rechts)?
- Erkennst du die 3 Stufen mit den Übergängen?
- Ist die Spitze oben und die breite Basis unten?
- Wie viele Zentimeter ist deine Zeichnung hoch? cm
Arbeitsblatt 2: die Modellrakete vermessen
Hausaufgabe — zuhause mit Kai durchführen
Du vermisst heute deine echte Modellrakete — genau wie Ingenieure es machen!
Teil 1: Rakete vermessen
| Punkt | Position (cm von unten) | Durchmesser (mm) | Radius = Ø÷2 (mm) |
|---|---|---|---|
| Schwanzende | 0 | ||
| Unterer Körper | |||
| Körper-Mitte | |||
| Größter Durchmesser | |||
| Übergang zur Nase | |||
| Nasen-Mitte | |||
| Nasen-Spitze | 0 | 0 |
Teil 2: Stirnfläche berechnen
Zeichne deinen Raketen-Querschnitt (Kreis mit größtem Radius) auf Millimeterpapier.
Zähle die Quadrate innerhalb des Kreises:
Volle Quadrate: + halbe Quadrate: ÷ 2 = mm²
Fläche = 3.14 × × = mm²
Gezählte Fläche: mm² | Berechnete Fläche: mm²
Unterschied: mm²
Warum sind sie nicht genau gleich?
Teil 3: Verhältnis zu Saturn V
Saturn V ist 111m hoch.
Verhältnis: 111m ÷ m = : 1
Das bedeutet: Saturn V ist ca. mal so groß wie deine Rakete.
Saturn V S-IVB Durchmesser: 6.6m
Meine Rakete hochgerechnet wäre: m → breiter / schmäler / gleich (durchstreichen)
✓ Kontroll-Fragen
- Hast du beide Methoden für die Fläche berechnet?
- Sind die Ergebnisse ähnlich? (Unterschied < 10%)
- Weißt du was "Verhältnis 1:277" bedeutet?
Wochen 3–4: Physik-Grundlagen
🤲 Hand-Experiment — Vollständige Durchführungsanleitung
Dieses Experiment ist der wichtigste kinästhetische Einstieg des gesamten Projekts. Es sollte vor jeder Formel und vor jeder Berechnung stattfinden.
Durchführung:
- Auto fährt mit ~50 km/h (Landstraße, ruhige Situation)
- Der Schüler streckt die Hand aus dem Fenster — flach, parallel zum Boden
- "Was spürst du?" → Kaum Widerstand
- Hand langsam aufstellen — senkrecht zum Fahrtwind
- "Was spürst du jetzt?" → Starker Druck, Hand wird nach hinten gedrückt
- Hand wieder flach → Widerstand nimmt sofort ab
Was der Schüler dabei lernt (ohne Formeln):
- Luftwiderstand hängt von der Form ab (nicht nur Größe)
- Flache Hand = kleine Querschnittsfläche = wenig Widerstand
- Aufgestellte Hand = große Querschnittsfläche = viel Widerstand
- Das ist genau der Unterschied zwischen Rakete 1 (spitz) und Rakete 2 (bulbös)
Anschlussfragen für die Schule:
- "Wenn du eine Rakete bauen würdest — welche Form würdest du wählen?"
- "Warum haben Sportwagen eine flache Form und nicht eine hohe Kastenwagen-Form?"
- "Was würde passieren wenn du die Hand schräg hältst?"
Hinweis: Das Experiment sollte wirklich physisch durchgeführt werden, nicht nur beschrieben. Der körperliche Eindruck ist entscheidend für das spätere Verständnis der Formeln.
⚡ Actio und Reactio — Warum fliegt eine Rakete wirklich?
Newtons drittes Gesetz ist das Herzstück der Raketentechnik. Für Klasse 6 muss es nicht als Formel kommen — als Konzept ist es vollständig verständlich.
Die einfache Version:
Wenn etwas in eine Richtung gedrückt wird, drückt es gleichzeitig gleichstark in die andere Richtung zurück. Das klingt seltsam, aber wir erleben es ständig:
- Beim Schwimmen: Du drückst das Wasser nach hinten → Wasser drückt dich nach vorne
- Luftballon loslassen: Luft strömt hinten raus → Ballon fliegt nach vorne
- Gewehr schießen: Kugel fliegt nach vorne → Gewehr kickt nach hinten (Rückstoß)
- Rakete: Verbrennungsgase strömen nach unten → Rakete fliegt nach oben
Der entscheidende Unterschied zu einem Flugzeug:
Ein Flugzeug braucht Luft zum Fliegen — seine Flügel erzeugen Auftrieb durch Luft. Eine Rakete braucht keine Luft — sie stößt einfach Masse aus und wird dabei in die entgegengesetzte Richtung beschleunigt. Deshalb funktionieren Raketen auch im Vakuum des Weltraums.
Für der Schüler visualisiert:
Stell dir vor du sitzt auf einem Rollbrett und wirfst schwere Bälle nach hinten. Jeder geworfene Ball drückt dich ein bisschen nach vorne. Wenn du viele Bälle sehr schnell nach hinten wirfst — das ist eine Rakete!
🌡 Barometrische Höhenmessung — Vollständige Erklärung
Unser BMP280 Sensor misst Luftdruck. Aber warum gibt uns Luftdruck die Höhe?
Was ist Luftdruck?
Stell dir eine Säule Luft vor, die von deinem Kopf bis ganz oben zur Atmosphäre reicht. Diese Luftsäule hat ein Gewicht — und dieses Gewicht drückt auf dich herunter. Das ist der Luftdruck.
Am Meeresspiegel ist die Luftsäule am längsten (und schwersten) → höchster Druck (~1013 hPa).
Auf einem Berg ist die Luftsäule kürzer → niedrigerer Druck.
Im Weltraum gibt es keine Luft → Druck = 0.
Die Faustregel:
Pro 8.5 Meter Höhengewinn sinkt der Luftdruck um ~1 hPa. Das ist einfach genug für Klasse 6 zum Rechnen.
Warum muss man kalibrieren?
Der Luftdruck ändert sich nicht nur mit der Höhe, sondern auch mit dem Wetter. Ein Tiefdruckgebiet kann den Luftdruck um 20-30 hPa senken — das wären 170-255 Meter Fehler! Deshalb muss man vor jedem Flug den aktuellen Bodenluftdruck messen und als Referenzwert (p₀) speichern.
Temperatureinfluss:
Warme Luft ist leichter als kalte Luft (sie dehnt sich aus). Das bedeutet: An einem heißen Sommertag ist die effektive "Höhe" etwas größer als an einem kalten Wintertag, bei gleichem Luftdruck. Für das Projekt ignorieren wir das — aber es erklärt warum professionelle Wetterballons sehr genaue Temperaturmessungen durchführen.
Was der BMP280 konkret macht:
- Misst den aktuellen Luftdruck p in hPa (z.B. 1009.3 hPa)
- Der Pico rechnet: h = 44330 × (1 − (p/p₀)^(1/5.255))
- Ergebnis: Höhe über dem Startpunkt in Metern
- Speichert den Wert mit Zeitstempel in einer CSV-Datei
Der Schüler muss die Formel nicht verstehen — aber er soll wissen: "Mein Sensor misst Luftdruck, und der Microcontroller rechnet daraus die Höhe."
📐 Kraft, Masse, Beschleunigung — Vorbereitung auf F=ma
Die Grundformel F = m × a ist eigentlich einfacher als sie aussieht. Der Schüler kann sie vollständig verstehen wenn man von konkreten Beispielen ausgeht.
Intuition aufbauen:
- Eine kleine Kraft auf eine schwere Masse → kleine Beschleunigung (Schiebe einen Lastwagen)
- Eine große Kraft auf eine leichte Masse → große Beschleunigung (Schiebe ein Fahrrad)
- Gleiche Kraft auf verschiedene Massen → verschiedene Beschleunigungen
Für die Modellrakete:
Motor B6 liefert durchschnittlich 5N Schub. Rakete wiegt 80g = 0.08 kg.
Aber: Die Schwerkraft zieht gleichzeitig mit 0.08 × 9.81 = 0.785N nach unten.
Netto-Kraft = 5N − 0.785N = 4.215N nach oben.
Beschleunigung = 4.215N ÷ 0.08kg = 52.7 m/s² nach oben.
Das ist fast 5.4× die Erdbeschleunigung — kein Wunder dass Raketen so schnell steigen!
Warum hört die Rakete nicht auf zu steigen wenn der Motor ausgeht?
Weil sie Geschwindigkeit (Impuls) gespeichert hat. Wenn der Motor aufhört, ist die Rakete schon sehr schnell — und fliegt weiter nach oben bis die Schwerkraft sie abbremst. Das ist die Gleitphase (Coasting).
Warum fliegt eine Rakete?
Treibstoff verbrennt → Gase expandieren → werden nach hinten ausgestoßen → Rakete wird nach vorne/oben gedrückt.
Das ist Newtons 3. Gesetz: Jede Aktion erzeugt eine gleich große Reaktion in die entgegengesetzte Richtung.
Kinästhetisches Experiment: Hand aus dem Autofenster
Hand flach halten (parallel zum Boden) → kaum Widerstand
Hand aufgestellt (senkrecht) → starker Widerstand
Das ist der Luftwiderstand — er hängt von der Form ab. Flache Hand = kleine Fläche = wenig Widerstand. Aufgestellte Hand = große Fläche = viel Widerstand.
Genau so bei Raketen: Schlanke Nase = weniger Luftwiderstand = höher fliegen!
Barometrische Höhenmessung
Unser BMP280 Sensor misst Luftdruck in hPa (Hektopascal). Je höher man kommt, desto weniger Luft drückt von oben → Luftdruck sinkt.
Boden: p₀ = 1013 hPa → bei 85m Höhe: p ≈ 1003 hPa
Die genaue Formel:
h = 44330 × (1 - (p / p₀)^(1/5.255))
Wobei: p₀ = Luftdruck am Boden (vor dem Start messen!)
p = gemessener Luftdruck in der Höhe
Für Klasse 6: Die Formel müssen wir nicht auswendig lernen. Wichtig ist: Sensor misst Druck → Pico rechnet Höhe aus.
Arbeitsblatt 3: Physik-Grundlagen
Teil 1: Actio und Reactio
Beschreibe was du spürst:
| Position | Was spürst du? | Warum? |
|---|---|---|
| Hand flach | ||
| Hand aufgestellt |
Teil 2: Kraft und Beschleunigung
Umgestellt: Beschleunigung = Kraft ÷ Masse | a = F ÷ m
Welche Netto-Beschleunigung hat die Rakete? (Schwerkraft g = 9.81 m/s²)
Netto-Kraft = Schub − Gewichtskraft = 5N − (0.08 × 9.81)N = 5N − 0.785N = 4.215N
Beschleunigung = 4.215N ÷ 0.08kg = 52.7 m/s²
Gewichtskraft = 0.12 × 9.81 = N
Netto-Kraft = 5N − N = N
Beschleunigung = N ÷ 0.12 kg = m/s²
Teil 3: Barometer-Verstehen
Druckdifferenz: hPa
Ungefähre Flughöhe (Faustregel: 1 hPa ≈ 8.5m): × 8.5 = m
✓ Kontroll-Fragen
- Warum beschleunigt die schwerere Rakete langsamer?
- Warum muss man den Luftdruck vor dem Start messen (Kalibrierung)?
- Was ist der Unterschied zwischen Kraft und Beschleunigung?
Wochen 5–6: Schukkurve & Flughöhe berechnen
📈 Die Schukkurve verstehen — Vollständige Erklärung
Die Schukkurve ist das Herzstück der theoretischen Berechnung. Sie zeigt wie viel Schub (Kraft in Newton) ein Motor in jedem Moment seiner Brennzeit liefert.
Was man auf der Schukkurve sieht:
- X-Achse: Zeit in Sekunden (wie lange brennt der Motor)
- Y-Achse: Schubkraft in Newton (wie stark drückt er)
- Fläche unter der Kurve: Gesamtimpuls in Newton-Sekunden (N·s)
Der Estes B6 Motor im Detail:
Der B6 hat einen charakteristischen Spitzen-Peak am Anfang (bis zu 12.1N) der dann schnell abfällt. Das ist typisch für Composite-Motoren: Anfangs sehr starker Schub um die Rakete schnell zu beschleunigen, dann nachlassend.
Die Nomenklatur "B6" bedeutet: B = Gesamtimpuls 2.5-5 N·s, 6 = durchschnittlicher Schub in Newton.
Von der Kurve zur Flughöhe — das Kernkonzept:
Die Fläche unter der Schukkurve ist der Gesamtimpuls. Impuls geteilt durch Masse ergibt den Geschwindigkeitszuwachs. Geschwindigkeit × Zeit ergibt die zurückgelegte Distanz.
Das klingt kompliziert — aber der Schüler macht es Schritt für Schritt in einer Tabelle, und plötzlich ist es nur noch Addition!
🔢 Diskrete Integration — Was wir dabei gelernt haben
Im Laufe der Entwicklung dieser Simulation haben wir mehrere wichtige Fehler gemacht und korrigiert. Das ist selbst ein Lerninhalt:
Fehler 1: Euler-Reihenfolge
Wir haben zuerst v mit dem neuen Δv aktualisiert, dann h mit dem neuen v berechnet — das ergab doppelte Höhe.
Korrektur: Erst h = h + v_alt × Δt, dann v = v_alt + a × Δt. Die Reihenfolge der Operationen ist entscheidend.
Fehler 2: Schrittweite
0.1s überall gibt zu viele Zeilen für Handrechnung. Lösung: Variable Schrittweite — 0.1s während der Brennphase (hier passiert viel), 1.0s in der Gleitphase (simpler freier Fall).
Fehler 3: Integrationsmethode
Schub am Anfang des Intervalls nehmen führt zu Fehlern bei stark wechselnder Kurve (wie dem B6 Peak bei 0.1s).
Korrektur: Trapezregel — F = (F(t₀) + F(t₁)) / 2 — Durchschnitt aus Start- und Endwert des Intervalls. Genauer, besonders bei steil abfallenden Kurven.
Warum ist das für den Schüler relevant?
Wenn der Schüler die Tabelle auf Papier ausfüllt, macht er dieselben Operationen wie unser Code. Er sieht direkt: "Wenn ich die Reihenfolge ändere, bekomme ich andere Ergebnisse." Das ist ein tiefer Einblick in numerische Mathematik — lange vor der Schulmathematik die das formell behandelt.
Verbindung zu Integralrechnung (Ausblick Klasse 10/11):
Was der Schüler mit Rechtecken und Trapezen macht, ist buchstäblich diskrete Integration. In Klasse 10/11 wird er lernen: Das Integral ist der Grenzwert dieser Summe wenn Δt gegen 0 geht. Dann wird er sich erinnern: "Das kenne ich — das habe ich mit Raketen gemacht!"
📐 Fläche unter der Kurve — Verbindung zum Klasse-6-Lehrplan
Das aktuelle Thema in Klasse 6 sind Flächen und geometrische Formen. Das Projekt nutzt genau dieses Wissen — aber in einem vollkommen neuen Kontext.
Was der Schüler bereits kann (aus dem Unterricht):
- Fläche eines Rechtecks: A = Breite × Höhe
- Fläche eines Kreises: A = π × r²
- Mehrere Flächen addieren
Was er im Projekt macht:
- Schukkurve in Zeitintervalle aufteilen (Rechtecke)
- Fläche jedes Rechtecks: F(t) × Δt (Schub × Zeit = Impuls)
- Alle Flächen addieren = Gesamtimpuls
- Verfeinerung: Trapeze statt Rechtecke → genauere Fläche
Das ist Flächenberechnung in Reinform — nur dass die Fläche jetzt nicht ein Garten oder Zimmer ist, sondern der Antriebsimpuls einer Rakete.
Der pädagogische Trick:
Der Schüler soll nie hören "Wir machen jetzt Integralrechnung." Er soll stattdessen hören: "Zeichne Rechtecke unter die Kurve und addiere die Flächen." Das ist Integration — aber auf eine Weise die in Klasse 6 vollständig zugänglich ist.
Die Schukkurve
Jeder Raketenmotor hat eine Schukkurve — sie zeigt wie der Schub sich über die Zeit verändert. Die Kurve ist öffentlich verfügbar auf thrustcurve.org.
Kernidee: Fläche = Impuls
Die Fläche unter der Schukkurve ist der Gesamtimpuls des Motors in Newton-Sekunden (N·s).
Impuls ÷ Masse = Geschwindigkeitszuwachs Δv
Das ist wie Rechtecke zählen — genau wie Flächen in der Schule!
Von Schub zu Höhe — Schritt für Schritt
Schukkurve ablesen → F [N]
↓ ÷ Masse
Beschleunigung a [m/s²]
↓ × Δt aufaddieren
Geschwindigkeit v [m/s]
↓ × Δt aufaddieren
Höhe h [m]
Das sind zwei mal hintereinander addieren — genau wie eine Reihe in Mathematik. Der Schüler kennt das aus dem Grundschulrechnen!
Arbeitsblatt 4: Schukkurve analysieren
Estes B6 Motor — Schukkurve
Hier sind die Messwerte des B6 Motors (Quelle: NAR / thrustcurve.org):
Echte Schukkurven der KLAMA-Motoren (Bild oben im Curriculum) — Der Schüler kann diese Kurven als Vorlage für seine Handzeichnung verwenden.
| Zeit t (s) | Schub F (N) | Zeitschritt Δt (s) | Fläche Rechteck (N·s) | Fläche Trapez (N·s) |
|---|---|---|---|---|
| 0.0 | 8.0 | 0.1 | ||
| 0.1 | 12.1 | 0.1 | ||
| 0.2 | 8.0 | 0.1 | ||
| 0.3 | 6.0 | 0.1 | ||
| 0.4 | 4.0 | 0.1 | ||
| 0.5 | 3.0 | 0.1 | ||
| 0.6 | 2.0 | 0.1 | ||
| 0.7 | 1.0 | 0.1 | ||
| 0.8 | 0.5 | 0.1 | ||
| 0.9 | 0.0 | — | — | — |
| SUMME (= Gesamtimpuls) | N·s | N·s | ||
Trapez: Fläche = (F(t₀) + F(t₁)) ÷ 2 × Δt · Beispiel t=0.0→0.1: (8.0 + 12.1) ÷ 2 × 0.1 = 1.005 N·s
NAR-Wert für B6: 4.30 N·s
Welche Methode kommt näher dran?
✓ Kontroll-Fragen
- Was bedeutet die Fläche unter der Schukkurve?
- Warum ist die Trapez-Methode genauer?
- Was würde passieren wenn der Motor länger brennt?
Arbeitsblatt 5: Theoretische Flughöhe berechnen
Diskrete Flugsimulation — Schritt für Schritt
Fülle die Tabelle aus. Jede Zeile ist ein Zeitschritt von 0.5s (vereinfacht für Handrechnung).
1. F aus Motor-Tabelle ablesen
2. a = (F − m×g) ÷ m
3. Δv = a × Δt
4. v_neu = v_alt + Δv
5. Δh = v_alt × Δt
6. h_neu = h_alt + Δh
Motor: B6 · Masse: 80g = 0.08kg · g = 9.81 m/s² · Δt = 0.5s
| t (s) | F (N) | a (m/s²) | Δv (m/s) | v (m/s) | Δh (m) | h (m) | Phase |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 0.0 | 8.0 | 0.0 | 0.0 | 0.0 | 🔥 Schub | ||
| 0.5 | 3.5 | 🔥 Schub | |||||
| 1.0 | 0.0 | 🌬 Gleiten | |||||
| 2.0 | 0.0 | 🌬 Gleiten | |||||
| 3.0 | 0.0 | 🌬 Gleiten | |||||
| 4.0 | 0.0 | ↓ Fallen | |||||
| 5.0 | 0.0 | ↓ Fallen |
Maximale Flughöhe (Höhepunkt wenn v = 0): h ≈ m
✓ Kontroll-Fragen
- Wann ist die Geschwindigkeit am größten?
- Was passiert mit v in der Gleitphase?
- Warum fällt die Höhe nach dem Scheitelpunkt?
Wochen 7–8: Messdaten auswerten
🔬 Backward Validation — Was wir wirklich messen und warum
Das ist der wissenschaftlich wichtigste Teil des Projekts. Der Schüler hat eine Theorie (h_theo) und eine Messung (h_gemessen). Jetzt stellt er fest: Sie stimmen nicht überein.
Die Frage "Warum?" führt durch mehrere Ebenen:
- Hypothese 1: Luftwiderstand
h_gemessen < h_theo → irgendetwas hat die Rakete gebremst → Luftwiderstand!
Test: Stirnfläche messen, Cd zurückrechnen → Passt der Cd zu unserer Raketenform? - Hypothese 2: Motor-Variabilität
War der Motor wirklich so wie NAR angibt? → Motorschub zurückrechnen aus Beschleunigungsphase → Mit Schukkurve vergleichen - Hypothese 3: Messfehler
Ist der Barometer genau genug? → Mehrfachmessungen, Mittelwert bilden
Was der Schüler lernt:
Echte Wissenschaft hat selten eine einzige Ursache für eine Abweichung. Mehrere Faktoren wirken gleichzeitig. Das Ziel ist nicht "die eine Antwort finden", sondern "verstehen welche Faktoren wie viel beitragen."
Das ist eine der reifsten wissenschaftlichen Einsichten — und der Schüler erlebt sie mit echten Daten.
💨 Luftwiderstand und Cd — Schritt für Schritt aufgebaut
Der Luftwiderstandsbeiwert Cd (auch CW-Wert) ist eine dimensionslose Zahl die beschreibt wie aerodynamisch ein Objekt ist. Für Klasse 6 muss der Schüler nicht die Formel herleiten — aber er soll verstehen was sie bedeutet.
Intuition (vom Hand-Experiment):
- Flache Hand → kleiner Cd (~0.1)
- Aufgestellte Hand → großer Cd (~1.0)
- Schlanke Rakete → kleiner Cd (~0.3)
- Bulböse Rakete → größerer Cd (~0.5)
- Kugel → Cd ≈ 0.47
Die Formel (zur Information, nicht auswendig lernen):
F_drag = 0.5 × ρ × v² × Cd × A
Wobei: ρ = Luftdichte (1.225 kg/m³), v = Geschwindigkeit, A = Stirnfläche
Was der Schüler tut:
In der Gleitphase (kein Schub mehr) wirkt nur noch Schwerkraft und Luftwiderstand. Die Messdaten zeigen die tatsächliche Verzögerung. Daraus kann man Cd zurückrechnen:
Cd = 2 × F_drag / (ρ × v² × A)
Stirnfläche messen: Schattenprojektion
Eine elegante Methode um die echte Stirnfläche zu messen: Rakete mit parallelem Licht (weit entfernte Lichtquelle oder Taschenlampe aus großer Entfernung) auf Millimeterpapier projizieren. Den Umriss nachzeichnen, Quadrate zählen. Das ergibt die echte projizierte Stirnfläche.
Alternativ: Mit Schieblehre den maximalen Durchmesser messen → A = π × r²
A/B-Vergleich: Rakete 1 vs. Rakete 2:
Das Beste an das Projektsetup: Er hat zwei Raketen mit verschiedenen Nasenformen. Mit gleichem Motor und ähnlicher Masse kann er direkt sehen: Rakete 2 (bulbös) fliegt niedriger. Der Cd-Unterschied ist messbar und erklärbar.
⚠️ Confounder-Variablen — Was wir kontrollieren müssen
Wenn Rakete 1 höher fliegt als Rakete 2, könnte das an der Form liegen — oder an der Masse. Wenn beide Raketen unterschiedlich schwer sind, ist der Cd-Vergleich nicht sauber.
Masse als Confounder:
Beide Raketen wiegen unterschiedlich. Deshalb berechnen wir die theoretische Höhe für jede Rakete mit ihrer eigenen Masse. Die Differenz (h_theo − h_gemessen) ist dann Masse-bereinigt und zeigt wirklich nur den Luftwiderstandsunterschied.
Sauberer Vergleich (Extension):
Wenn Zeit bleibt: Ballast zur leichteren Rakete hinzufügen bis beide gleich schwer sind. Dann ist die Masse als Variable eliminiert — der einzige Unterschied ist die Form.
Das ist "Kontrollvariable halten" — ein zentrales Konzept des wissenschaftlichen Experiments, das der Schüler hier ganz natürlich lernt.
Andere Variablen die wir ignorieren:
- Wind: Nicht messbar ohne Windmesser, klein gehalten durch Wahl des Starttages
- Abschusswinkel: Nicht exakt 90° → h wäre kleiner. Abschätzung möglich.
- Luftfeuchte: Ändert Luftdichte minimal (<1%), ignorierbar
- Motor-Variabilität: Gleiche Charge ±5% — bei Mehrfachmessungen herausmittelbar
In diesen Wochen bringt der Schüler die echten Messdaten aus den Flügen mit in den Unterricht und vergleicht sie mit seiner theoretischen Berechnung.
Arbeitsblatt 6: Messdaten auswerten
Teil 1: Gemessene Höhe eintragen
| t (s) | h_theo (m) | h_gemessen (m) | Differenz (m) | Differenz (%) |
|---|---|---|---|---|
| 0.5 | ||||
| 1.0 | ||||
| 2.0 | ||||
| 3.0 | ||||
| Max. |
Teil 2: Diagramm zeichnen
Zeichne auf Millimeterpapier: Zeit (x-Achse) vs. Höhe (y-Achse)
- Blaue Linie: h_theo (theoretisch)
- Rote Linie: h_gemessen (gemessen)
Was fällt dir auf?
Teil 3: Warum ist h_gemessen kleiner?
Teil 4: Vergleich Rakete 1 vs. Rakete 2
| Rakete | Form | h_theo (m) | h_gemessen (m) | Differenz (m) |
|---|---|---|---|---|
| 1 (spitz) | Schlank | |||
| 2 (bulbös) | Runder Kopf |
Welche Rakete fliegt höher?
Warum?
✓ Kontroll-Fragen
- Was bedeutet es wenn h_gemessen < h_theo?
- Warum fliegt die schlanke Rakete höher als die bulböse?
- Was würde passieren wenn kein Luftwiderstand existieren würde?
Woche 9: Präsentation
Der Schüler präsentiert sein gesamtes Projekt — mit den echten Raketen, seinen Berechnungen und den gemessenen Daten.
Präsentations-Struktur
- Was ist ein Raketenmotor? (Hand-Experiment erklären)
- Saturn V Zeichnung zeigen + erklären
- Theorie: "So hoch sollte meine Rakete fliegen..."
- Praxis: "So hoch ist sie wirklich geflogen..."
- Analyse: "Das ist der Unterschied — und hier ist warum"
- Offene Fragen: "Das haben wir noch nicht herausgefunden..."
Hardware-Track (parallel zuhause)
🔧 Hardware-Entscheidungen — Warum diese Komponenten?
Raspberry Pi Pico — warum nicht Arduino?
- Günstiger (~4€ vs ~20€ für Arduino Uno)
- Leichter (kleiner Formfaktor)
- MicroPython läuft nativ — einfacher für den Schüler als C++
- Interner Flash-Speicher — keine SD-Karte nötig für kurze Flüge
- Kai hat bereits Erfahrung (Meshtastic-Projekt)
BMP280 — warum kein GPS?
- GPS ist zu langsam (1Hz Update-Rate) für Raketenflüge
- GPS funktioniert oft nicht bei schnellen Bewegungen
- BMP280 sampelt bis zu 25-50 Hz — viel besser für Raketendynamik
- Günstig (~3€), I2C, direkt kompatibel mit Pico
- Misst auch Temperatur und Druck — interessant für Unterricht
2× LR44 Knopfzellen — warum nicht CR2032?
CR2032 Zellen haben einen zu hohen Innenwiderstand für den Pico. Unter Last bricht die Spannung ein und der Microcontroller startet neu. Zuerst haben wir deshalb 2× AAA in Serie verwendet (stabile 3V, ~11g). Im Flugbetrieb bewährt haben sich inzwischen 2× LR44 in Serie an VSYS: deutlich leichter und kleiner, und für die kurze Aufzeichnungsdauer eines Flugs ausreichend. Gehalten werden sie von einem selbst konstruierten, 3D-gedruckten Batteriehalter.
Start/Stop über den BOOTSEL-Knopf:
Ein extra Taster ist nicht nötig: Der Pico hat bereits den
BOOTSEL-Knopf, den MicroPython mit rp2.bootsel_button()
auslesen kann. Gedrückt = 1, losgelassen = 0. Die Software erkennt den
Tastendruck und startet bzw. stoppt die Aufzeichnung. Das spart Gewicht,
Verdrahtung und eine Fehlerquelle.
💻 Warum MicroPython und wie arbeiten wir mit KI zusammen?
Eine bewusste Entscheidung in diesem Projekt: Der Code wird nicht komplett von Claude generiert. Stattdessen gibt es einen Hybrid-Ansatz:
Was Claude macht:
- Erklärt Konzepte (I2C, Sensorkommunikation, Dateisystem)
- Schreibt das Gerüst (Imports, Setup, Grundstruktur)
- Debuggt Fehler gemeinsam mit dem Schüler und Kai
Was der Schüler macht:
- Schreibt die Kernlogik selbst:
read_sensor(),calculate_altitude() - Tippt den Code ab (nicht copy-paste)
- Erklärt was jede Zeile tut (Kai fragt nach)
Warum dieser Ansatz?
Wenn man KI den Code komplett schreiben lässt, lernt man nichts über Programmierung. Wenn man alles von Null macht, dauert es zu lang und ist frustrierend. Der Hybrid-Ansatz gibt der Schüler das Fundament und lässt ihn die wichtigen Teile selbst schreiben — dort wo das echte Verständnis entsteht.
VS Code mit der "Raspberry Pi Pico" Extension ist die empfohlene Entwicklungsumgebung. Alternativ funktioniert Thonny IDE sehr gut für Anfänger.
| Woche | Schritt | des Schülers Rolle |
|---|---|---|
| 1 | Hardware bestellen (BMP280, JST-Connector) | Bestellliste lesen, mitentscheiden |
| 2 | Schaltung aufbauen, Pico + BMP280 verbinden | Kabel stecken, Kai lötet |
| 3 | MicroPython Setup, ersten Code schreiben | Code eintippen, Kai erklärt |
| 4 | Sensor testen, Kalibrierung | Messwerte ablesen, notieren |
| 5 | Erste Testflüge | Aufzeichnung starten, Rakete aufstellen |
| 6 | Daten auslesen, CSV öffnen | Datei kopieren, Werte in Tabelle übertragen |
| 7–8 | Messdaten für Schularbeit aufbereiten | h-Werte in Arbeitsblatt 6 eintragen |
MicroPython Code-Skeleton
import machine
import rp2
import time
from bmp280 import BMP280 # Library von community
# Setup I2C
i2c = machine.I2C(0, sda=machine.Pin(4), scl=machine.Pin(5))
bmp = BMP280(i2c)
# Bodenluftdruck kalibrieren (Offset)
p0 = bmp.pressure
print(f"Bodenluftdruck: {p0} hPa")
# Hauptschleife
recording = False
data = []
while True:
if rp2.bootsel_button() == 1: # BOOTSEL gedrückt
recording = not recording
time.sleep(0.5)
if recording:
p = bmp.pressure
t = bmp.temperature
# Höhe berechnen (barometrische Formel)
h = 44330 * (1 - (p / p0) ** (1/5.255))
data.append((time.ticks_ms(), h, p, t))
time.sleep(0.1) # 10 Messungen/Sekunde
Messvarianten
Variante 0 — Hand-Experiment (Pflicht)
Auto fahren, Hand flach vs. aufgestellt bei ~50 km/h
🤲 Kinästhetisch Vor jeder FormelVariante 1 — Beide Raketen, gleicher Motor (Kern)
Rakete 1 (spitz) + Motor B → h₁ | Rakete 2 (bulbös) + Motor B → h₂
📐 Analytisch Cd VergleichVariante 2 — Gleiche Masse, nur Form (Extension)
Ballast hinzufügen bis m₁ = m₂ → sauberer Cd-Vergleich
🔬 Kontrollvariable OptionalVariante 3 — Verschiedene Motoren, gleiche Rakete (Kern)
Rakete 1 mit Motor A, B, C, D → Schukkurven-Validierung
📈 GrafischVariante 4 — Mehrfachmessungen (Extension)
Jede Konfiguration 3× fliegen, Mittelwert berechnen
📊 Statistisch BonusFallback-Plan
🧮 Künstliche Messdaten generieren — Vollständige Anleitung
Falls der Flugdatenschreiber nicht funktioniert, können wir realistische synthetische Messdaten berechnen. Der Schüler merkt keinen Unterschied im Lernprozess — die Analyse ist identisch.
Annahmen für synthetische Daten:
| Parameter | Rakete 1 (spitz) | Rakete 2 (bulbös) |
|---|---|---|
| Cd (Luftwiderstand) | 0.25 | 0.45 |
| Masse | 80g | 120g |
| Durchmesser | 32mm | 40mm |
| Motor | B6 | B6 |
| Luftdruck p₀ | 1013 hPa | 1013 hPa |
| Temperatur | 15°C | 15°C |
| Wind | 0 m/s | 0 m/s |
So generiert man die Daten:
Die interaktive Simulations-App (separate JSX-Datei) berechnet bereits alle Werte. Einfach die Parameter eingeben und die h-Werte aus der Tabelle ablesen. Diese Werte überträgt der Schüler dann in Arbeitsblatt 6 als wären es echte Messdaten.
Pädagogischer Wert trotz künstlicher Daten:
- Der Schüler übt denselben Analyse-Prozess
- Er sieht den Cd-Unterschied zwischen den Raketen klar in den Zahlen
- Die Diskussion "warum weichen Theorie und Messung ab?" funktioniert genauso
- Bonus: Man kann Diskutieren "Was wäre wenn Cd = 0?" und die perfekte Welt mit der Realität vergleichen
🌍 Offene Fragen — Was wir nicht messen und warum das okay ist
Echte Wissenschaft kennt immer offene Fragen. Es ist pädagogisch wertvoll wenn der Schüler sieht dass unser Modell vereinfacht ist — und dass diese Vereinfachungen bewusst gewählt wurden.
Variable: Luftdichte ρ(T, p)
Unser BMP280 misst sowohl Temperatur als auch Druck. Die Luftdichte berechnet sich als: ρ = p / (287.05 × T)
An einem heißen Tag (35°C, 1013 hPa): ρ = 1.145 kg/m³
An einem kalten Tag (0°C, 1013 hPa): ρ = 1.292 kg/m³
Das ist ein Unterschied von ~13% — und damit ändert sich auch der Luftwiderstand um ~13%. Für eine genauere Analyse könnte der Schüler diesen Effekt einbauen. Das wäre ein echter Beitrag zur Messgenauigkeit.
Variable: Rotierende Rakete
Echte Modellraketen rotieren oft um ihre Längsachse (durch leicht schräge Flossen). Das ändert die effektive Aerodynamik. Für unser Modell ignorieren wir das.
Variable: Motorvariabilität
Selbst Motoren aus derselben Produktionscharge variieren um ±5%. Bei drei Flügen mit B6-Motoren könnte der Schüler Mittelwert und Streuung der Flughöhen berechnen — das ist Statistik, die auch in Klasse 6 relevant ist.
Was der Schüler als Fazit sagen soll:
"Unser Modell ist eine Vereinfachung der Realität. Es erklärt den größten Teil der Messdifferenz, aber nicht alles. Die wichtigsten offenen Fragen sind... Das würde man weiter untersuchen indem..."
Das ist eine exzellente wissenschaftliche Abschlussaussage für ein Sechstklässler-Projekt.
Szenario 1: Flugdatenschreiber funktioniert nicht
Lösung: Künstliche Messdaten generieren
Wir berechnen synthetische h-Werte mit angenommenen Cd-Werten und festen Bedingungen:
- Rakete 1 (spitz): Cd = 0.25
- Rakete 2 (bulbös): Cd = 0.45
- Bedingungen: p₀ = 1013 hPa, T = 15°C, Wind = 0
Der Schüler analysiert diese wie echte Daten — der Lernprozess ist identisch.
Szenario 2: Zu wenig Zeit
Wochen 7–8 können gekürzt werden. Minimum sind Wochen 1–6 (Theorie + Berechnungen).
Präsentation mit theoretischen Werten ist trotzdem vollwertig.
Szenario 3: Rakete 3 nicht fertig
2 Raketen reichen vollständig für das Projekt. Rakete 3 ist explizit optional.
Bonus-Aufgabe: Motor-Gewicht messen ⭐⭐⭐
Wenn alles andere fertig ist:
- Motor vor Flug wiegen: g
- Motor nach Flug wiegen: g
- Treibstoff-Masse = g
Das zeigt: Die Rakete wird während des Flugs leichter! Genau wie Saturn V Stufen — abwerfen wenn leer.
Kannst du die theoretische Flughöhe mit der sich ändernden Masse neu berechnen?
Offene Fragen (Ausblick für später)
| Variable | Einfluss | Warum ignorieren wir sie? |
|---|---|---|
| Luftfeuchte | Ändert Luftdichte minimal | Effekt < 1%, zu komplex |
| Abschusswinkel | Nicht exakt vertikal → h kleiner | Schwer zu messen |
| Motor-Variabilität | Gleiche Charge ±5% | Statistisch — Mehrfachmessung nötig |
| Cd bei verschiedenen Geschwindigkeiten | Cd ändert sich leicht | Strömungslehre — Klasse 11+ |
| Treibstoff-Massenänderung | Rakete wird leichter | Bonus-Aufgabe oben |
| Luftdichte ρ(T,p) | Ändert Drag | BMP280 misst beides — Ausblick |
Ausblick Hardware: eigene Platine und SMD-Fertigung
Der fliegende Aufbau mit Steckkabeln ist erst der Anfang. Die nächste Stufe ist ein eigenes Trägerboard für den Pico: Schaltplan und Platinenlayout werden in KiCad entworfen, die Platine gefertigt und die Bauteile im SMD-Verfahren (Lotpaste, Bestückung, Reflow) selbst aufgebracht. So wird aus dem Experimentieraufbau ein robustes, leichtes Flugmodul — und der Schüler erlebt den Weg von der Idee über die Zeichnung bis zum fertigen Elektronikprodukt.
Lehrplan-Bezug & Vorausblick
🎯 Verbindung zum aktuellen Klasse-6-Stoff — Detailliert
Verhältnisse und Proportionen (aktuelles Thema):
Der Schüler lernt gerade Verhältnisse — z.B. 1:2 oder 3:4. Im Projekt tauchen Verhältnisse überall auf:
- Maßstab 1:500 (Zeichnung vs. Original)
- Motorvergleich A:B:C:D (Impuls-Verhältnisse)
- Höhenvergleich Rakete 1 zu Rakete 2
- Verhältnis von gemessener zu theoretischer Höhe
Das sind echte Anwendungen des Schulstoffs — nicht konstruierte Übungsaufgaben.
Flächen berechnen:
- Kreisfläche der Stirnfläche (A = π × r²)
- Fläche unter der Schukkurve (Rechtecke und Trapeze)
- Querschnittsfläche verschiedener Raketen (Vergleich)
Diagramme lesen und zeichnen:
- Schukkurve lesen (thrustcurve.org)
- Höhe-Zeit-Diagramm aus Messdaten zeichnen
- Theorie vs. Messung im selben Diagramm
🔭 Ausblick: Wie dieses Projekt spätere Schuljahre vorbereitet
Dieses Projekt legt bewusst Grundsteine für Konzepte die der Schüler in späteren Jahren formal lernen wird. Wenn er dann auf diese Themen trifft, wird er sich erinnern — und das Neue hat sofort Verbindung zu Bekanntem.
Klasse 7/8 — Lineare Funktionen:
In der Gleitphase hat die Rakete konstante Beschleunigung (nur Schwerkraft). Die Geschwindigkeit ändert sich linear: v(t) = v₀ − g×t. Das ist eine lineare Funktion — der Schüler hat die Werte schon in seiner Tabelle gesehen.
Klasse 9/10 — Quadratische Funktionen:
Die Höhe in der Gleitphase folgt einer Parabel: h(t) = h₀ + v₀×t − ½×g×t². Das ist genau die Wurfparabel die der Schüler schon mit Werten kennt.
Klasse 10/11 — Integralrechnung:
Die Fläche unter der Schukkurve die der Schüler gezählt hat, ist das Integral von F(t) über die Brennzeit. Das Integral von a(t) ergibt v(t), das Integral von v(t) ergibt h(t). Der Schüler hat das alles schon gemacht — nur diskret und mit Tabellen statt formal.
Physik Klasse 9+ — Impuls und Energie:
Impuls = m × v (kennt der Schüler aus dem Projekt), Impulserhaltung, kinetische und potentielle Energie — alles Konzepte die direkt an die Modellraketenrechnung anschließen.
Physik Klasse 11+ — Strömungslehre:
Reynolds-Zahl, laminare vs. turbulente Strömung, Grenzschichttheorie — das sind die formalen Werkzeuge für das was der Schüler als "Luftwiderstand hängt von Form und Geschwindigkeit ab" erlebt hat.
Fazit: Dieses Projekt ist nicht nur Mathe für Klasse 6. Es ist ein Vorgeschmack auf fast ein Jahrzehnt späterer Schulinhalte.
Aktueller Lehrplan Klasse 6
| Thema | Wo im Projekt | Arbeitsblatt |
|---|---|---|
| Maßstäbe & Verhältnisse | Saturn V zeichnen, Rakete hochrechnen | AB 1, AB 2 |
| Flächen berechnen (Kreis) | Stirnfläche A = π × r² | AB 2 |
| Grundrechenarten & Einheiten | Alle Berechnungen | AB 3–6 |
| Diagramme zeichnen & lesen | Schukkurve, Flugdiagramm | AB 4, AB 6 |
| Verhältnisse & Proportionen | Maßstab, Motor-Vergleich | AB 1, AB 2 |
Vorausblick auf spätere Jahrgänge
| Klasse | Thema | Verbindung zum Projekt |
|---|---|---|
| 7/8 | Lineare Funktionen | Geschwindigkeit als Steigung im v-t-Diagramm |
| 9/10 | Quadratische Funktionen | Wurfparabel — Flugbahn der Rakete |
| 10/11 | Integralrechnung | "Die Fläche unter der Schukkurve die du heute gezählt hast" |
| Physik 9+ | Kräfte & Impuls | F=ma, Impulserhaltung — alles schon bekannt |
| Physik 11+ | Strömungslehre | Cd, Luftdichte ρ(T,p), Reynolds-Zahl |
Scaffolding der Abstraktionen
| Stufe | Konzept | Wie eingeführt |
|---|---|---|
| 1 — Konkret | Höhe, Masse, Zeit | Messen, wiegen, stoppen |
| 2 — Visuell | Fläche unter Kurve | Rechtecke zählen auf Papier |
| 3 — Benennung | Δv, Impuls, Beschleunigung | Nach visueller Intuition |
| 4 — Formel | F=ma, F_drag, Cd | Erst wenn Konzept sitzt |
| 5 — Optional | Luftdichte ρ(T,p) | BMP280-Daten als Motivation |
| 6 — Ausblick | Integralrechnung | "Das lernt ihr in Klasse 10/11" |